sportalis Basic Info

Bandy und ihm verwandte Spiele waren in Nord- und Nordosteuropa Jahrhunderte lang überaus beliebte winterliche Freizeitbeschäftigungen. Das Spiel paart die Rasanz des Eishockeys mit der technischen Finesse aus dem Feldhockey. Die Grundidee ist denkar einfach. Auf einer ungefähr fußballfeldgroßen Eisfläche gehen zweimal 10 Spieler mit einem 125cm langen Schläger und einem 6cm großen Ball auf Torejagd. Hinzu kommt ein Torwart, der seinen – dem Feldhockeytor sehr ähnlichen – Kasten ohne Schläger verteidigt.
Ein offizieller Spielbetrieb wurde aber trotz der weiten Verbreitung im Volk erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgenommen. Unglücklicherweise also in etwa zu der Zeit, als in Kanada aus dem Bandyball der Eishockeypuck wurde. Aufgrund erheblich einfacherer Spielvoraussetzungen wie den kleineren Teams und der Wetterunabhängigkeit verdrängte die körperbetonte nordamerikanische Spielweise ihre Muttersportart in vielen der noch jungen Bandyvereine.
Lediglich in Skandinavien und der Sowjetunion wurde die Tradition des Spiels kontinuierlich gepflegt. So waren es die vier Nationen Finnland, Norwegen, Schweden und die ehemalige Sowjetunion, welche 1955 die Federation of International Bandy gründeten. Jahrelang spielten sie den Weltmeistertitel nur unter sich aus, bevor die Faszination Ende des 20. Jahrhunderts auch in Nordamerika, Osteuropa und den Niederlanden wieder entflammte.
Bei den olympischen Winterspielen 1952 in Oslo wurde Bandy als Exhibition-Sportart vorgestellt und seit der Gründung der Federation of International Bandy (FIB) 1955 wird alle zwei Jahre der Weltmeister ermittelt.
In Deutschland unterhält unter Anderem der Neusser Schlittschuh-Klub eine Bandyabteilung. Dennoch ist das Spiel auch hier zu Lande weitgehend in der Versenkung verschwunden. Der wohl einzige prominente „Vertreter“ dieser Sportart dürfte Eduard Lewandowski sein. Der Eishockeynationalspieler jagte in jungen Jahren in Russland noch dem Ball nach, bevor er in Deutschland mangels Alternativen auf die Scheibe umsatteln musste.
Text: Kevin Ritter