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Tanzen

Standardtänze

Standardtänze war ursprünglich die Bezeichnung für alle vereinheitlichten, das heißt standardisierten Gesellschaftstänze. Mittlerweile ist es ein Sammelbegriff für die folgenden Tänze: 

 

Langsamer Walzer

Der Langsame Walzer ist ein Gesellschafts- und Turniertanz im 3/4-Takt. Der langsame Walzer ist einer der klassischen Standardtänze und wird normalerweise bei etwa 30 Takten pro Minute getanzt. Wichtig beim Langsamen Walzer ist der Schwung. Der Schwung wird auf dem zweiten Teil des ersten Taktschlags aufgebaut und dann auf "zwei, drei" sanft abgebremst. Weiterhin gibt es das so genannte "Heben und Senken" oder auch "Rise and Fall", womit das Absenken des Körpers durch Beugen der Knie vor dem ersten Schlag (Senken) und dem Strecken der Knie und dem Stehen auf dem Fußballen zum zweiten und dritten Schlag (Heben) gemeint sind.

Es gibt auch den sogenannten "Sway", der die Neigung des Oberkörpers relativ zum Parkett angibt, wobei die Bewegung vom Becken ausgehend gesteuert wird. Es wird in differenzierten Drehabschnitten getanzt, um den Schritt interessanter zu gestalten.

 

Tango

Der Gesellschafts- und Turniertanz Tango entstand in Europa und Amerika aus den ursprünglichen Formen des Tango Argentino und ist heute einer der fünf Standardtänze des Welttanzprogramms. Die Musik wurde rhythmisch verändert und klingt durch den exzessiven Einsatz von staccato Spieltechniken "abgehackter" und "zackiger". Entsprechend wurde auch der Tanz den damaligen Präferenzen der Tänzer an die Technik der vorherrschenden Standardtänze angepasst, wobei auf ruckhafte Körper- und plötzliche Kopfbewegungen gesetzt wurde. "Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann", sagte der argentinische Tango-Komponist Enrique Santos Discépolo.

 

Wiener Walzer

Der Wiener Walzer basiert auf dem 3/4 Takt, wobei ein Grundschritt aus sechs Schritten besteht und somit zwei volle Takte umfasst. Alternativ kann der Wiener Walzer auch auf einen 6/8 Takt getanzt werden, dann umfasst der Grundschritt genau einen Takt. Auf Bällen und Turnieren wird traditionell auf klassische Musik getanzt, es gibt allerdings auch modernere Stücke der Rock- und Popmusik, die einen geeigneten Rhythmus bieten. Der Wiener Walzer ist mit ungefähr 60 TPM doppelt so schnell wie der Langsame Walzer.

 

Slow Fox

Der Slowfox ist ein typisch englischer Standardtanz. Er wird charakterisiert durch fließende, raumgreifende, weiche Bewegungen und verkörpert von allen Standardtänzen am besten das englische Understatement. Die Musik ist aufgrund der Entwicklung dem Jazz nahe. Heute wird sie mit etwa 28 bis 30 Takten/Minute gespielt.

 

Quick Step

Der Quickstep ist eine Abwandlung des Foxtrott und wird statt mit zwei langen und zwei kurzen Schritten, mit einem langen Schritt und einem Chassé getanzt. Er soll überquellende Lebensfreude ausdrücken und ist häufig der letzte der fünf Standardtänze in Turnieren. Er wird von Tänzern auch als "Sekt unter den Tänzen" bezeichnet, um das Spritzige und Freudige des Tanzes zu charakterisieren.

 

Foxtrott

Während Slowfox und Quickstep technisch sehr anspruchsvoll sind, ist der Foxtrott recht unbedarft. Die Schritte werden normal gesetzt, besondere Körperhaltungen, Posen oder schwierige Figuren sind nicht vorgesehen; einzig das "Auf- und Abhüpfen", v.a. des Kopfes bei den schnellen Seitschritten, gilt es zu vermeiden. Der Foxtrott wird traditionell auf Popmusik getanzt, ist aber in Tanzschulen besonders deswegen beliebt, weil er sich auch gut auf zeitgemäßere Popmusik tanzen lässt.

 

Samba

Samba ist ein Gesellschafts- und Turniertanz im 2/4-Takt. Er wird normalerweise bei 50 bis 53 Takten pro Minute getanzt, kann jedoch von 46 bis 68 Takte pro Minute variieren. Original Sambamusik ist schnell und anfeuernd, und wird von Percussion-Instrumenten getragen. Typisch für die Samba ist der Hüftschwung und das Bouncen. Unter Bouncen versteht man ein leichtes, rhythmisches Federn in den Fuß- und Kniegelenken, wobei die Füße teilweise nur halb belastet werden.

 

Cha Cha Cha

Cha Cha Cha, manchmal auch Cha Cha oder Chachachá genannt, ist ein Gesellschafts- und Turniertanz, der paarweise getanzt wird. Man unterscheidet zwei Arten des Cha Cha Cha, die kubanische Variante und die Variante des Tanzsports, die sich in Technik und Figuren- repertoire unterscheiden. Der Cha Cha Cha basiert auf dem Viervierteltakt. Er wird normalerweise bei 32 Takten pro Minute getanzt, kann aber von 30 bis 34 Takte die Minute variieren. Als Musik kommt die klassische lateinamerikanische Musik, moderne Popmusik - die nicht unbedingt lateinamerikanisch orientiert sein muss - sowie die Latin Rock Richtung der Rockmusik in Frage. Grundsätzlich werden alle Schritte auf dem Ballen angesetzt, dann wird die Ferse abgesenkt. So entsteht ähnlich wie in der Rumba eine seitwärts-rollende Hüftbewegung.

 

Kubanische Variante:

Technik und Figurenrepertoire dieser Variante orientieren sich stark an der modernen Salsa. Die Schritte werden nicht auf den Ballen, sondern auf dem ganzen Fuß gesetzt, beim Wechselschritt verlassen die Füße nicht den Boden, sondern "schleifen" darüber. Der Grundschritt ist darüber hinaus mehr vor- und rückwärts als seitwärts orientiert. Die Figuren werden weniger ausladend und effektvoll getanzt als in der Turniervariante.

 

Rumba

Rumba ist die Sammelbezeichnung für eine Vielzahl historischer und gegenwärtiger Lied- und Tanzformen auf Kuba von großer rhythmischer, melodischer, formaler und choreographischer Variationsbreite. Es ist ein Lateinamerikanischer Gesellschafts- und Turniertanz im 4/4-Takt mit üblicherweise 28 Takten pro Minute. Bei der Rumba sind für den Einzelnen die kreisenden Hüftbewegungen sehr wichtig, als Paar das Zusammenspiel. Bei der Rumba verschmilzt das Paar auf dem Parkett durch die Musik zu einer Einheit. Die Dame spielt den "arroganten", dominanten Part, sie lässt den Herren mal in ihre Nähe und lässt ihn daraufhin sofort wieder abblitzen. Der Herr holt die Dame mal an sich heran, als wolle er sie auf der Stelle verführen, stößt sie danach aber unter sichtbaren Schmerzen von sich. Die Vorstellung einer "getanzten Liebeserklärung" verdeutlicht die unterdrückte Leidenschaft, die dieser Tanz ausstrahlen soll, wesentlich besser als die häufig genutzte Bezeichnung als "Liebestanz". Die Betrachtung des ganzen umfasst natürlich nicht nur die Füße, auch Hand/Armhaltung, Körpersprache und Mimik sind wichtig.

 

Paso Doble

Paso Doble (span. "Doppelschritt") ist von der Herkunft eigentlich ein spanischer Tanz, er wird aber den lateinamerikanischen Tänzen zugerechnet. Man versteht darunter die tänzerische Interpretation des Stierkampfes, wobei die Dame das rote Tuch, die Capa verkörpert. Seit 1945 ist er Turniertanz. Der Paso Doble wurde lange Zeit im 6/8-Takt getanzt. Ins Welttanzprogramm und als Turniertanz setzte er sich jedoch im 2/4-Takt durch. Mittlerweile wird der Paso Doble von vielen Tanzschulen nicht mehr unterrichtet. Im Tanzsport wird er ab der B-Klasse getanzt.

 

Jive

Jive ist ein Gesellschafts- und Turniertanz im 4/4-Takt. Er wird normalerweise bei 44 Takten pro Minute getanzt. Jive ist heute die international anerkannte Bezeichnung für einen Tanz, der vielfältige verwandte Vorläufer afroamerikanischen Ursprungs hat. Dazu gehören zu Beginn der 1930er Jahre Lindy Hop, Blues und Swing, in den 1940ern der Boogie-Woogie, Jitterbug, gefolgt in den 1950ern vom Rock 'n' Roll. Charakteristisch für alle diese Tanzformen war und ist heute noch die stimulierende Musik, die aufgrund ihrer rhythmischen Akzentuierung Jung und Alt in ihren Bann zog und zieht.

 

Boogie Woogie (Paartanz)

Der Boogie-Woogie ist wie der Blues ein Tanz nach Jazz und eine Bezeichnung für einen Musikstil, dem ein bestimmter Rhythmus (4/4 Takt) zugrunde liegt. Boogie Woogie hängt eng mit "Swing", "Jitterbug" und "Rock 'n' Roll" zusammen. Schon damals tanzten die Fans dieser Tänze ihre Schritte mit einer „Besessenheit“, dass einem Angst und Bange wurde. Auch Hüftzüge und akrobatische Bewegungen wie z.B. ein Schulterwurf waren nicht selten zu sehen. Jeder dieser Tänzer war glücklich, wenn er mit seiner Partnerin wieder einen neuen "Wurf" ausgeklügelt hatte.

Dass dieser nicht der Stil des Gesellschaftstanzes war, konnte auch der am Rande stehende kritische Betrachter feststellen. Man suchte und fand eine Form, die den Boogie-Woogie gesellschaftsfähig machte.

In den letzten Jahren begann der Boogie-Woogie seinen zweiten Siegeszug. Aber diesmal etwas anders: die Besessenheit bei den Schritten ist geblieben, die akrobatischen Figuren werden jedoch nicht mehr getanzt. Somit wurde er zu einem Tanz für Alt und Jung.

 

Rock ´n´ Roll (Paartanz)

Charakteristisch für den Rock 'n' Roll sind die Kicks (engl. Tritte [in die Luft]) und die akrobatischen Figuren wie z.B. Hebefiguren, Sprünge, Würfe und Überschläge. Der heutige Rock ´n´Roll ist ein reiner Show- und Turniertanz und hat bis auf den Namen praktisch nichts mehr mit der ursprünglichen Rock 'n' Roll Bewegung zu tun. Er wird paarweise oder paarweise in einer Formation getanzt. Im Laufe der Zeit hat der Rock 'n' Roll verschiedene Änderungen erfahren, so wird z.B. der ursprüngliche 6er-Grundschritt nur noch in Tanzschulen gelehrt, während im Turniergeschehen ausschließlich der 9er-Grundschritt mit seinem typischen Kick Ball Change verwendet wird. Weitere technische Besonderheiten bilden Grundtechniken wie die Körperwelle und der Einsteiger, die für einige Akrobatiken unerlässlich sind. Durch die anspruchsvolle Technik, die hohe Geschwindigkeit und die kräftezehrenden Akrobatiken ist Rock 'n' Roll ein sehr anstrengender Hochleistungssport und wird daher fast ausschließlich von jungen Paaren getanzt.

 

Discofox (Paartanz)

Der Discofox ist eine Fusion vieler verschiedener Elemente aus anderen Tänzen, weshalb er keine eigenen technischen Elemente entwickelt, sondern stattdessen aus denen anderer Tänze besteht. So kombiniert er die aus dem Foxtrott abgeleiteten Schrittmuster mit der klassischen Tanzhaltung, der Improvisationsfreiheit des Swing, den Drehtechniken der lateinamerikanischen Tänze, den Wickelfiguren der Salsa und den akrobatischen Figuren des Rock 'n' Roll und Boogie Woogie. Der Discofox basiert auf dem 4/4-Takt, wobei jedoch der Takt nicht als ganzes, sondern die Beats (engl. Taktschläge) einzeln gezählt werden. Im Discofox und dem eng verwandten amerikanischen Three Count Hustle umfasst ein Grundschritt drei Schläge, in anderen Stilrichtungen wie z.B. dem New York Hustle vier Schläge.

 

Salsa (Paartanz)

Salsa weist zwar im Gegensatz zu vielen anderen Tänzen keinen einheitlichen Grundschritt auf, ist jedoch den Schritten des Mambo sehr ähnlich. Salsa basiert auf einem 4/4 Takt. Prinzipiell lässt sich Salsa auf verschiedene Zählzeiten tanzen, d.h. die Schritte bleiben gleich, werden jedoch auf den Takt bzw. die Phrase bezogen zeitlich versetzt.

Salsa wird nach wie vor als Straßentanz gehandelt, d.h. im Gegensatz zu den Tänzen des Welttanzprogramms gibt es keine offiziellen Organe, die für einheitliche Unterrichtsgrundlagen und Turnierrichtlinien sorgen. Dadurch bietet Salsa einerseits alle Freiheiten, was die Ausarbeitung und Kombination der verschiedenen Techniken betrifft, bietet andererseits z.B. aber kaum Grundlagen für standardisiert nationale oder gar internationale Wettkämpfe. Auch darf den Titel Salsa-Tanzlehrer jeder tragen, der das möchte, denn es gibt weder eine offiziell anerkannte Ausbildung noch ist irgendeine Form von Leistungsnachweis dafür notwendig.

 

Orientalischer Tanz (Einzeltanz)

Orientalischer Tanz ist im Volksmund auch als Bauchtanz bekannt. Es ist ein meist von Frauen in speziellen Kostümen zu orientalischer Musik ausgeführter Tanz.

In der arabischen Welt wird der Tanz "Raqs Sharqi" genannt. Aufgrund der wörtlichen Übersetzung "Tanz des Ostens", ist der deutsche Begriff "Orientalischer Tanz" die korrekte Bezeichnung. Der Begriff "Bauchtanz" geht auf Émile Zola zurück, der im Jahre 1880 nach einer Orientreise den Tanz als "Danse du ventre" (franz. "Tanz des Bauches") zum ersten Mal in Europa beschrieb.

Der Bauch spielt beim Bauchtanz eine wichtige Rolle. Die Bewegungen kommen zusätzlich aus den Knien, der Hüfte und den Schultern. Auch die Arme sind sehr wichtig. Dazu kommen typische Hand- und Kopfbewegungen. Neben dem typischen Bauchtanzköstüm werden feine Tücher, Schwerter, Kerzen und ähnliches nicht selten als weitere Elemente eingesetzt. Bauchtanz wird meist als typisch weiblicher Tanz wahrgenommen, der die Gefühlswelt und Kraft von Frauen zum Ausdruck bringt.

 

Jazz- und Modern-Dance

Diese junge Tanzsportart drückt sich durch Kunst und Sport auf der Tanzfläche aus. Der Tanzstil hat eine Entwicklung von mehreren Jahrzehnten durchgemacht. Der Jazz Dance beinhaltet Elemente aus afrikanischen, europäischen und amerikanischen Tanzstilen. Vor allem in den USA hat er sich in der Auseinandersetzung und Verbindung von weißem und schwarzem Tanz entwickelt. Typische Merkmale des Jazz Dance sind intuitive Spontanität und Interaktion durch Improvisation. Jazz Dance hat das Merkmal, dass es keine festgelegte Form gibt und ist daher für andere Stile offen. Weiterhin werden Stile von der Folklore über Klassik bis hin zu Sport und Akrobatik im Jazz Dance verarbeitet.

Die Grundlagen des heutigen Modern Dance legten die Schulen der amerikanischen Choreographin Martha Graham und des Choreographen José Limon. Die wichtigsten Bewegungsmerkmale sind einerseits "contraction" (Zusammenziehen) und "release" (Lösen) und anderseits "Impuls" und "Führung". Die Gemeinsamkeiten von Modern Dance und Jazz Dance bestehen darin, dass in beiden Tanzstilen die Bewegungs- und Ausdrucksgrenzen nur durch die Anatomie oder die Phantasie des Tänzers bestimmt werden.

 

Break Dance

Der Begriff Breakdance beschreibt mehrere Tanzformen, die der afro- und puertoamerikanischen Jugend der 70er Jahre entstammen und sich meist durch akrobatische Merkmale auszeichnen. Bei so genannten Breakdance-Battles treten einzelne Tänzer oder ganze Teams (Crews) gegeneinander an, um ihre Fähigkeiten (Skills) unter Beweis zu stellen. In abwechselnder Reihenfolge gilt es den gegenüberstehenden Kontrahenten durch die eigene Darbietung zu übertrumphen. Dabei müssen Regeln eingehalten werden: So führt z.B. das Berühren des Gegners zur Disqualifikation des Tänzers. Bei organisierten Wettkämpfen entscheidet eine Jury über den Gewinner. International und national ausgetragene Wettkämpfe erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Oft werden in Kombinationen mit anderen Elementen des Hip Hop Outdoor-Events organisiert, die große Zuschauermengen anziehen. Das größte Breakdance Battle der Welt ist das B.o.t.Y (Battle of the Year) und wird jedes Jahr mit Crews aus der ganzen Welt ausgetragen.

 

Hip Hop

Hip Hop drückt Freude an Bewegung und Rhythmus aus und spiegelt ein junges und frisches Lebensgefühl wieder. Gerade bei Kindern und Jugendlichen kommt diese Tanzart gut an, da sie lernen, sich gekonnt zu hippen Klängen und Rhythmen zu bewegen und tänzerisch auszudrücken. Besonders in Discos kann diese Tanzart angewandt und vorgeführt werden.

 

Capoeira

Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst. Ursprünglich praktizierten es die schwarzafrikanischen Sklaven, um unauffällig für den Ernstfall zu trainieren. Capoeira enthält nicht nur kämpferische Elemente, sondern auch sehr viel Tanz und Gesang.

 

Geschichte lateinamerikanischer Tänze

Geschichte des Samba

Ursprünglich ist Samba ein Sammelname für viele Tanzformen, die im 19. Jahrhundert von afrikanischen Sklaven aus dem Kongo, dem Sudan und Angola in ihre neue Heimat Brasilien gebracht wurden. Der Samba de Roda, ein Kreistanz, wird als Ausgangstanz für den modernen Samba bezeichnet. Die Samba-Musik wird von der kultischen Musik Alt-Afrikas abgeleitet. Ursprünglich ist der Samba ein 2/2-Takt (alla breve). Tanzkapellen spielen ihn aber heutzutage bevorzugt im 2/4-Takt - und meistens viel zu schnell zum Tanzen. Als afrikanisch-portugiesische Mischform kam um 1910 die Maxixe, ein enger Paartanz, aus Brasilien nach Europa, der sich jedoch nur schwer durchsetzte. Unter dem Namen Samba tauchte dieser brasilianische Tanz in Turnierprogrammen 1924 und 1925 wieder auf, ohne großen Durchbruch. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Samba zum festen Bestandteil einer jeden Tanzkapelle. Um 1948/49 erreichte er in einer sehr vereinfachten Form eine große Popularität. Die Tanzschulen nahmen Samba mit Erfolg in ihr Programm auf. 1959 wurde Samba in das Turnierprogramm der Lateinamerikanischen Tänze aufgenommen.

 

Geschichte des Cha Cha Cha

Der Cha Cha Cha wurde in den 1950er Jahren von dem Kubaner Enrique Jorrín aus Danzón und Mambo entwickelt. Jorrín verwendete die Silben "Chachachá" in einigen Danzóns zur Betonung der Synkope zwischen den Taktteilen 4 und 1 (Zählweise: "vier-und-eins"). Auf diesen Taktteilen liegt auch die Hauptbetonung der Schritte im Cha Cha Cha. Anstatt des einen Seitschrittes im Mambo werden hier drei Schritte getanzt. So ist die typische Zählweise 2-3-Cha-Cha-Cha-2-3- usw., wobei auf "Cha-Cha-Cha" (4-und-1) der Wechselschritt (auch: Chassé) getanzt wird. Bald war der Cha-Cha-Cha Modetanz Nr. 1 in Nordamerika. 1957 hielt er Einzug auf einem Kongress des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes, und gehört seit 1961 zu den Lateinamerikanischen Tänzen des Welttanzprogramms.

 

Geschichte der Rumba

Die Rumba entwickelte sich aus dem Fandango-Tanz, der aus Spanien nach Kuba kam. Als Modetanz kam die Rumba erstmals 1914 in New York auf. Rhythmisch vereinfacht gelangte sie 1931 auch nach Europa. In Deutschland wurde sie von den Nazis schließlich als entartet verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rumba wieder entdeckt, allerdings in zwei vollkommen unterschiedlichen Variationen. Zum einen die amerikanisch beeinflusste Square- oder Carrée-Rumba, zum anderen die vom in England lebenden Franzosen Pierre Lavelle propagierte Rumba im kubanischen Stil. Dies führte Anfang der 70er Jahre zu heftigen Auseinandersetzungen (die so genannten Rumba-Kriege), welche Variante jetzt richtig sei. Man einigte sich schließlich darauf, beide Varianten zuzulassen. Im internationalen Tanzsport hat sich mittlerweile der kubanische Stil durchgesetzt. Die Square-Rumba wird in Europa kaum noch unterrichtet, in den USA ist sie jedoch noch weit verbreitet.

 

Geschichte des Paso Doble

Der Paso Doble (span. "Doppelschritt") ist von der Herkunft eigentlich ein spanischer Tanz, er wird aber den lateinamerikanischen Tänzen zugerechnet. Man versteht darunter die tänzerische Interpretation des Stierkampfes, wobei die Dame das rote Tuch, die Capa, verkörpert. Seit 1945 ist er Turniertanz.

Der Paso Doble wurde lange Zeit im 6/8-Takt getanzt. Ins Welttanzprogramm und als Turniertanz setzte er sich jedoch im 2/4-Takt durch.

 

Geschichte des Jive

Amerikanische Soldaten brachten die in den USA beheimateten Tänze um 1940 nach Europa, wo sie bei der Jugend schnell sehr beliebt wurden. Der Boogie wurde nach dem Krieg zur dominierenden Musik. Als "artfremder, ordinärer" Tanz fand er aber nicht nur Freunde. Tanzpapst Alex Moore äußerte sich, dass er nie zuvor etwas "grässlicheres" gesehen hatte. Englische Tanzlehrer entwickelten, mit etwas langsamerer Musik, den eleganten und doch lebendigen Jive. 1968 wurde er als fünfter Turniertanz zu den Lateinamerikanischen Tänzen aufgenommen, seit 1976 gehört der Jive zum Welttanzprogramm.

 

Geschichte der Standardtänze

Geschichte des langsamen Walzers

Um 1870 entwickelte sich in den USA eine sanftere Form des Wiener Walzers, der unter dem Namen Boston bekannt wurde. Diese Version behielt die für den Wiener Walzer charakteristischen drehenden Figuren bei, wurde aber zu einem langsameren Tempo getanzt. Um 1920 entwickelte sich daraus in England der Langsame Walzer, der wegen seiner Herkunft auch "English Waltz" genannt wird. Andere Quellen geben allerdings auch den österreichischen Ländler als "Urvater" des langsamen Walzers an. Wie auch immer, die Tänzer nutzen das langsamere Tempo, um den Walzer durch weitere Figuren zu bereichern, die damit das Tanzen interessanter machen.

 

Geschichte des Tango

Die Geschichte des "Tango Argentino" beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Südamerika. In der Hauptstadt Uruguays, Montevideo, und in Argentinien treffen die verschiedensten Völker und Kulturen aufeinander. Kreolen, wenig überlebende Indianer, afrikanische Sklaven, spanische, italienische und andere europäische Einwanderer erschließen das Land, arbeiten und leben zusammen und versammeln sich zu fröhlichen Tanzveranstaltungen (Milongas). Takte, Rhythmen und Melodien ihrer Herkunftsländer vermischen sich dabei zu neuen Liedern und Tänzen. Besonders die Contradanza habanera, als kubanisch spanische Variante der französischen Contredanse, der Tango andaluz als rhythmische Form des Flamencos, die europäischen Gesellschaftstänze Walzer und Polka, die gesungene Payada der Gauchos und die Candombe der Schwarzen am Rio del Plata prägen diese neue Musik und Tanzform, welche in die schnell wachsenden Städte an der Küste vordringt. Angelockt durch wirtschaftliche Not in ihren Heimatländern und durch ein groß angelegtes Einwanderungsprogramm der argentinischen Regierung erreichen alleine zwischen 1880 und 1930 ca. 6 Mio. Neuankömmlinge die Hafenstädte am Unterlauf des Rio de la Plata. Zugleich scheitert die angekündigte Landreform am Widerstand der Landbarone, was die demographische Situation noch verschärft. Denn zu den Einwanderern, denen es nicht gelingt im Hinterland Fuß zu fassen und die deshalb in die Hafenstädte zurückkehren, strömen nun auch noch abertausende von arbeitslosen Landarbeitern und Gauchos aus der Pampa. Und dort, wo viele Menschen auf engem Raum überleben müssen, herrscht Mangel. Mangel an Arbeit, Mangel an Perspektiven, Mangel an Frauen. In der Folge verlangsamte sich die leichte, fröhliche Milonga zu einem mehr getragenen, ernsten Tanz. Anstatt anzüglicher Gassenhauer wird die soziale Not und Liebeskummer besungen. Kontrabass, Violine, und das 1840 von Heinrich Band aus der Konzertina entwickelte Bandoneon sind zunächst die Standardinstrumente der durch Kneipen, Bordelle, Mietskasernen und Jahrmärkte ziehenden Musiker. In den Hafenvierteln und Barrios(Vorstädte/Stadtteile) von Buenos Aires und Montevideo, in einem Milieu von Arbeitslosigkeit, Kleinkriminalität und Prostitution wird der Tango zum Ausdruck existentieller Not und menschlicher Einsamkeit. "Für den Tango existiert kein Volk als abstrakte Einheit oder als Ideal. Der Tango kennt nur den Menschen aus Fleisch und Blut"(Jose Gobello). Die argentinische Oberschicht, bar aller sozialen und ökonomischer Nöte lehnt den neuen Tanz, die Musik als Ausdruck von Verkommenheit und Verarmung, grundsätzlich ab. Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt sich die wirtschaftliche Situation Argentiniens langsam zu bessern. Zugleich gelingt dem Tango kurz vor dem Ersten Weltkrieg der Sprung über den Atlantik, hinein in die Salons und Bars von Paris, wo er schnell zum Modetanz avanciert. Aus der Anpassung des Pariser Tango und der Entfernung erotischer Elemente entsteht der Standardtanz Tango als Gesellschaftstanz und Turniertanz in Europa. Mit der Akzeptanz durch Paris - das für Buenos Aires als Vorbild gilt - wird der Tango endlich auch von der Oberschicht der argentinischen Gesellschaft akzeptiert.

 

Geschichte des Wiener Walzer

Der Walzer, zur Unterscheidung vom Langsamen Walzer (English Waltz) und dem Französischen Walzer meist Wiener Walzer genannt, ist der älteste der Gesellschaftstänze. Er entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus dem deutschen Tanz und dem Ländler und war zunächst wegen "Unzüchtigkeit", z.B. weil die Fußknöchel der Damen sichtbar waren, verpönt. Offizielle Akzeptanz und sogar Beliebtheit gewann er später durch den Wiener Kongress Anfang des 19. Jahrhunderts und die berühmten Musikstücke von Josef Lanner, Johann Strauß, dessen Sohn Johann Strauß und Pjotr Iljitsch Tschaikowski. In den 1920er-Jahren setzte in Deutschland das Walzersterben ein. Modernere, dynamischere Tanzformen setzten sich durch. In England war der Wiener Walzer sowieso nie heimisch geworden, dort tanzte man Boston oder später den Langsamen Walzer. Als Volkstanz wurde der Walzer mit Beginn der dreißiger Jahre vor allem im in Deutschland und Österreich wieder entdeckt. Der ehemalige k.u.k.-Offizier Karl von Mirkowitsch machte den Wiener Walzer wieder gesellschafts- und turnierfähig, seit 1932 tanzt man den Wiener Walzer auf Turnieren.

 

Geschichte des Foxtrott

Entstanden ist der Foxtrott zwischen 1910 und 1915 in Nordamerika. Sowohl die tänzerischen Wurzeln als auch die Herkunft des Namens sind nicht eindeutig zu bestimmen, da sich hier zahlreiche Quellen deutlich widersprechen. Der Name Foxtrott geht möglicherweise auf den Schauspieler Harry Fox zurück, der für seine damals populäre Variete-Show "Harry Fox & the Zigfeld Follies" Schritte aus Onestep und Castle Walk übernahm. Fox verbreitete so diesen Tanz in der Öffentlichkeit. Der Foxtrott wurde so zum Synonym für eine Reihe von Geh- und Schreit-Tänzen, von denen die meisten nicht mehr existieren. Nach Europa kam der Foxtrott erst nach dem Ersten Weltkrieg. 1920 wurde das vorhandene Schrittmaterial auf einer Konferenz in England zum ersten Mal geordnet. Seit 1924 unterscheidet man zwischen der langsamen Variante, dem Slowfox sowie dem schnelleren Quickstep. Ins Welttanzprogramm wurde der Foxtrott 1963 mit aufgenommen, als Turniertanz wurde er jedoch nie getanzt.

 

Geschichte des Rock ´n´Roll

Parallel zur Musik haben sich die dazu passenden Tänze entwickelt. Aus dem um 1920 entstandenen Swing entwickelte sich in den USA sehr früh der Lindy Hop, der erstmals akrobatische Elemente in einen Paartanz einfließen ließ. Dieser wiederum erfuhr um 1940 eine Abwandlung zum BoogieWoogie, der auf deutlich schnellerer Musik basierte. Mit Aufkommen der Rock 'n 'Roll Musik um 1955 wurde schließlich aus dem Boogie Woogie von der protestgesteuerten Jugendbewegung der Rock 'n' Roll erschaffen.

 

Geschichte des Boogie Woogie

Die Musiker, in erster Linie Pianisten, tourten durch die Kneipen, spielten die ganze Nacht als Gegenleistung für Lebensmittel und Übernachtungsmöglichkeiten. Im Zuge der Krise in den zwanziger Jahren zogen viele dieser Arbeiter in die Städte des Nordens, z.B. Chicago.

Viele Musiker zogen ebenfalls nach Norden, wo sie auf den „House Rent Parties“ spielten. Diese Tanzpartys funktionierten wie folgt: Der Wohnungsinhaber organisierte einige Flaschen Schnaps und einen Musiker und finanzierte mit dem Eintrittsgeld, das er den Gästen abverlangte, seine Miete. In den späten zwanziger Jahren entwickelte sich der Boogie-Woogie-Stil weiter und Pianisten wie Clarence 'Pinetop' Smith und Jimmy Hancey machten die Musik populärer.

 

Geschichte des Disco Fox

Der Discofox ging aus dem Foxtrott hervor, als um 1973 frei improvisierende Discotänzer zur Tanzhaltung zurückkehrten und den klassischen Foxtrott um Elemente aus Swing, Boogie Woogie und Two-Step bereicherten. Dabei entstand in den USA der Hustle, in Europa der Discofox, der 1979 in das Welttanzprogramm aufgenommen wurde. Erste Turniere wurden Ende der 80er Jahre in der Schweiz ausgetragen; dabei manifestierte sich die Bezeichnung Disco Swing, als mehr und mehr Elemente aus anderen Tänzen wie Rock 'n' Roll, Boogie Woogie, Swing, Mambo, Salsa und Cha Cha Cha in den Discofox integriert wurden. 1992 fand die erste Discofox Weltmeisterschaft in Basel statt, organisiert wurde sie von der International Dance Organization. Erst acht Jahre später folgte die zweite Weltmeisterschaft in Miami, seitdem jedoch werden Europa- und Weltmeisterschaften jährlich durchgeführt.

 

Geschichte der Salsa

Entstanden ist die Salsa im New York der 70er Jahre, als lateinamerikanische Einwanderer - insbesondere aus Kuba und Puerto Rico - bereits bestehende Fusionen aus latein- und nordamerikanischer Musik (insbes. Mambo) um weitere traditionelle Rhythmen wie Bomba und Plena bereicherten. Dabei entstand der Name Salsa als Kunstwort, das alle Varianten unter einem Begriff vereinigen sollte. Ebenso wie Musik und Tanz in den traditionellen Formen untrennbar verbunden sind, entstanden mit den Verbindungen der Musik auch Verbindungen der dazugehörigen Tänze. So entstanden zunächst aus (afro)kubanischen Elementen und Techniken der klassischen Tanzschultradition der Mambo und der kubanische Cha Cha Cha. Der Mambo begann in den 50er Jahren, zur Blütezeit der Mambo Big Bands, von dem New Yorker Tanzpalast "Palladium" am Broadway aus seinen Siegeszug, konnte sich aber auf die Dauer auf internationalen Parketts aufgrund seiner komplizierten Technik gegen die einfacheren Tanzschulvarianten des Cha Cha Cha und der Rumba nicht behaupten.

Mit dem Ende der Mambo Big Bands Ende der 50er Jahre und der 1959 durch Fidel Castro ausgelösten Revolution auf Kuba endete zwar auch die Ära des Mambo, aber in New York kam die Entwicklung keineswegs zum Stillstand. Vor allem durch eingewanderte Vertreter des Puerto Rican Style inspiriert, entwickelte sich in den folgenden Jahren der Tanzstil New York Style, wenig später machten sich auch die kubanischen Wurzeln durch Bekanntwerden des Cuban Style wieder stärker bemerkbar.

 

Geschichte der Einzel- und Modernen Tänze 

Geschichte des orientalischen Tanzes

Die Wurzeln des Bauchtanzes liegen vermutlich in den traditionellen Tänzen des Orients. Das typische Bauchtanzkostüm entstand in den 1920er Jahren in den Kabaretts in Algier, Beirut und Kairo. Hauptsächlich in den Kabaretts von Kairo wurde der arabische Bauchtanz in seiner heutigen Form entwickelt und als Unterhaltungstanz aufgeführt. Heute hat er in Ägypten und generell in der arabischen Welt den Status einer Kunstform. Darstellungen und Beschreibungen bauchtanzender Frauen aus der ganzen Welt sind seit vielen Jahrhunderten bekannt. Es ist anzunehmen, dass der Bauchtanz auf alte Fruchtbarkeits- und Gebärtänze von z.B. Initiationsriten zurückgeht. Möglicherweise diente er auch der Geburtsvorbereitung, da er u.a. die Bauch-, Hüft- und Beinmuskulatur trainiert.

 

Geschichte des Jazz- und Modern Dance

Die ersten Tanzturniere in dieser Tanzsportart fanden in Hessen statt - 1976 die erste Hessenmeisterschaft. Bereits 1988 griff der Deutsche Tanzsportverband (DTV) die Idee des HTV auf und bildete einen Ausschuss, um die Regeln für die TSO zu erstellen. Bereits 1989 veranstaltete man bundesweit Ausscheidungsturniere, um eine Ligaeinteilung vornehmen zu können, damals noch ohne die Ostverbände. Ein Jahr später gingen 101 Formationen in drei Ligabereichen an den Start und die erste Deutsche Meisterschaft wurde in Frankfurt ausgetragen. Jazz und Modern Dance wird mittlerweile bundesweit von mehreren tausend Jungendlichen ausgeübt.

 

Geschichte des Hip Hop

Hip Hop ist ein junger Tanzstil. Das Wort Hip Hop stammt aus dem Englischen und bedeutet „Hüftschwung“. Er entwickelte sich erst im späten 20. Jahrhundert aus der gleichnamigen Stilrichtung der Popmusik mit Elementen der amerikanischen Straßen- und Subkultur.

 

Geschichte des Capoeira

Belegt ist die Existenz der Capoeira nur bis ins 18. Jahrhundert. Die Literatur geht davon aus, dass sie in Brasilien aus einer Zusammenmischung verschiedenster afrikanischer Tänze und Kulte entstand. Auch in anderen Regionen, in welche afrikanische Sklaven verschleppt wurden, entstanden dem Capoeira ähnliche Kampfkünste, wie dem Maní auf Kuba. Weitere Legenden ranken sich um die Kämpfe zwischen Sklaven und Sklavenhaltern in den Quilombos - so wird von den Quilombos gesagt, dass sich dort die Capoeira stark weiterentwickelte und dass die Sklaven sie auch im Kampf gegen die (mit Schusswaffen bewaffneten) Sklavenjäger eingesetzt hätten.

Die nächste Phase der Capoeira ist dann auch die erste, bei der sich die Experten einig sind. Allerdings ist die damalige Capoeira nicht mit der heutigen vergleichbar, sondern vielmehr als eine Art Straßenkampftechnik zu begreifen. Capoeiristas taten sich in Banden zusammen, auch Maltas genannt, und beherrschten so ganze Straßenviertel. Dabei kämpften sie gegen rivalisierende Maltas und die Obrigkeitskräfte. Diese Form der Capoeira war besonders in den Hafenstädten Rio de Janeiro, Recife und Salvador verbreitet, die auch gemeinhin als die Brutstätten der Capoeira angesehen werden. Die Capoeira ist also eine urbane Erscheinung.

In der Kaiserzeit war die Capoeira zwar nicht explizit verboten, die Capoeiristas wurden dennoch verfolgt und beispielsweise wegen Störung der öffentlichen Ordnung verhaftet.

In der Republik (ab 1889) gab es schließlich einen Capoeira-Paragrafen, der die Ausübung der Capoeira mit Verbannung von sechs Monaten bis zwei Jahren bestrafte. Dies kam nicht zuletzt dadurch, weil die Capoeiristas als Monarchisten angesehen wurden, die aus Dankbarkeit für die Befreiung der Sklaven sich der Krone verpflichtet fühlten. Die Capoeira wurde in dieser Zeit stark in den Untergrund gedrängt und konnte nur noch in den oben genannten Hochburgen überleben.

Das Capoeira-Verbot wurde 1937 durch den nationalistischen Diktator Getúlio Vargas aufgehoben, der mit der Capoeira einen nationalen Sport etablieren wollte. Auf diese Idee kam er, nachdem er eine Vorführung von Mestre Bimba sah. Bimba wollte aus Elementen der Straßenkampftechnik Capoeira eine moderne Kampfkunst formen, welche er Luta Regional Baiana nannte. Er unterrichtete sie (noch während des Verbots) an seiner Academia in der bahianischen Hauptstadt Salvador - das Verbot war der Hauptgrund dafür, weshalb seine Schule nicht Capoeira im Namen führte. Bimba ersann zum ersten Mal eine systematische Methode, Capoeira zu vermitteln, vorher wurden die Techniken durch Nachahmen erlernt. Auch heute noch wird die Capoeira hauptsächlich in zwei Formen aufgeteilt: Capoeira Regional und Capoeira Angola.

Text: Wikipedia

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