sportalis Basic Info

Leichtathletik ist die Sammelbezeichnung für verschiedene Lauf-, Sprung- und Wurf-Disziplinen.
Die Leichtathletik ist eine der ältesten Sportarten der Welt. Schon seit der Antike gehörten einzelnen Disziplinen der Leichtathletik zum festen Bestandteil der Olympischen Spiele. Heute stehen die Wettkämpfe der Leichathletik oft im Mittelpunkt der olympischen Sommerspiele.
Insgesamt werden in der Leichathletik bei olympischen Wettbewerben 46 Entscheidungen ausgetragen: 24 bei den Männern und 22 bei den Frauen.
Olympische Disziplinen
Laufdisziplinen Kurzstrecke 100 m 200 m 400 m 100 m Hürden (nur Frauen) 110 m Hürden (nur Männer) 400 m Hürden 4x100 m Staffel 4x400 m Staffel Mittelstrecke 800 m 1500 m Langstrecke 5000 m 10 000 m 42 195 m 20 km Gehen 50 km Gehen (nur M) 3000 m Hindernis (nur M) (ab Penking 2008: 3000m Hindernislauf auch für Frauen) | Sprungdisziplinen Weitsprung Dreisprung Hochsprung Stabhochsprung
| Wurfdisziplinen Speerwurf Hammerwurf Diskuswurf Kugelstoßen Mehrkampfdisziplinen* Siebenkampf Zehnkampf |
Der Zehnkampf (Dekathlon) ist die "Königsdisziplin" der Leichtathletik. Er wird nur von den Männern ausgeführt. Die Zehnkämpfer treten an zwei Tagen in zehn verschiedenen Disziplinen an, bestehend aus: Laufen (100 m, 400 m, 1500 m und 110 m Hürden), Weitsprung, Hochsprung, Stabhochsprung, Kugelstoßen, Diskuswerfen und Speerwerfen.Den Siebenkampf (Heptathlon) gibt es nur für Frauen. An zwei Tagen kämpfen die Leichtathletinnen in den folgenden Disziplinen: Laufen (200 m, 800 m und 100 m Hürden), Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen und Speerwerfen.
Nicht olympische Disziplinen:
50 m Sprint 75 m Sprint 1000 m-Lauf 3000 m-Lauf 10 000 m-Straßenlauf Halbmarathon 100-km-Lauf | Schweden-Staffel (400-300-200-100m) Olympische Staffel (400-200-200-800m) 3x1000 m-Staffel 10.000 m Bahngehen Fünfkampf (Weitsprung, Speerwurf, 200 m, Diskuswurf, 1500 m) (nur Männer) Schleuderball Schlagballweitwurf
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Training
Das Training der Leichtathletik umfasst vielseitige Übungskomplexe. Im Nachwuchstraining steht eine fundierte Grundlagenausbildung an oberster Stelle. Durch vielfältige, spielerische Bewegungserfahrungen soll eine Basis geschaffen werden. Beim Erlernen von neuen Techniken kann später auf diesen Bewegungsschatz zurückgegriffen werden. Erst im Aufbautraining beginnt die Spezialisierung auf einzelne Disziplingruppen. Die Trainingsinhalte setzen sich aus Laufen, Springen und Werfen im Verhältnis 2:1:1 zusammen.
Laufdisziplinen
Die Laufdisziplinen werden in Kurz- Mittel- und Langstrecken unterteilt.
Kurzstrecken
Alle Sprint-, Staffel- und Hürdenläufe bis 400 m werden als Kurzstrecken bezeichnet. Der Start erfolgt bei allen Kurzstrecken als Tiefstart aus dem Startblock. Von den drei konditionellen Fähigkeiten Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer, hebt sich bei Leistungen im Kurzstreckenbereich vor allem die Komponente Schnelligkeit heraus. Hier sind vor allem die Faktoren Reaktionsschnelligkeit, Aktionsschnelligkeit und Frequenzschnelligkeit gefordert. Alle Kurzstrecken lassen sich anhand des Geschwindigkeitsverlaufes in drei Phasen unterteilen.
1. Phase der Beschleunigung
2. Phase der maximalen Geschwindigkeit
3. Phase des Geschwindigkeitsverlustes
Aufgrund des hohen Sauerstoffdefizits, das die Athleten auf Kurzstrecken eingehen, kann die maximale Geschwindigkeit nicht über die gesamte Distanz aufrechterhalten werden. Ziel des Kurzstreckentrainings ist es also, möglichst früh die eine hohe Geschwindigkeit zu erreichen und die Phase der maximalen Geschwindigkeit über einen möglichst langen Zeitraum beizubehalten.
Mittel- und Langstreckenläufe, sowie die Wettbewerbe des Gehens sind die Ausdauerdisziplinen der Leichtathletik. Der Start erfolgt als Hochstart im Stehen. Der Marathonlauf und das Gehen werden auf Straßenstrecken ausgetragen und zum Zieleinlauf ins Stadion geführt. Alle anderen Disziplinen werden auf einer ovalen 400-Meter-Bahn ausgetragen. Die unterschiedlichen Distanzen von 800 m bis 42,195 km stellen spezielle Anforderungen an den Athleten. So sind das Niveau und der Ausprägungsgrad der verschiedenen Ausdauerformen für Mittel- und Langstreckenläufe von entscheidender Bedeutung. Basierend auf der Art der Energiebereitstellung wird die spezielle Ausdauer in drei Bereiche unterteilt:
1. Kurzstreckenausdauer (KZA)
2. Mittelzeitausdauer (MZA)
3. Langzeitausdauer (LZA)
Die KZA wird bei Ausdauerbelastungen von 45 s bis 2 min beansprucht. Die Energiebereitstellung erfolgt überwiegend aus anaeroben Stoffwechselprozessen. Ein hohes Niveau an Schnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer ist für die Leistungsfähigkeit im Bereich der KZA von entscheidender Bedeutung. Die MZA betrifft Ausdauerbelastungen von 2 bis 8 min. Die Energiebereitstellung erfolgt bis zu zwei Drittel aus aeroben Stoffwechselprozessen.Bei Belastungen im LZA- Bereich erfolgt die Energiegewinnung rein aerob über den Abbau von Kohlenhydraten und Fetten.
Sprungdisziplinen
Die vier Sprungdisziplinen werden in horizontale und vertikale Sprungdisziplinen unterteilt. Für alle Sprungdisziplinen ist ein einbeiniger Absprung vorgesehen. Zu den horizontalen zählen der Weit- und der Dreisprung. Hier haben die Leichathleten pro Wettkampf sechs Sprünge zu absolvieren. Der Absprung erfolgt bei offiziellen Wettbewerben von einem Absprungbalken. Wird dieser übertreten, ist der Versuch ungültig. Zu den vertikalen Sprüngen zählen der Hoch- und der Stabhochsprung. Die Athleten haben pro Höhe drei Versuche. Alle Sprungdisziplinen sind besonders von der Beherrschung der Technik, von Laufschnelligkeit und Schnellkraft bestimmt. Deshalb gelten Sprünge als Schnellkraftdisziplinen.
Weitsprung
Die Leistung beim Weitsprung ist weitgehend von der Anlaufgeschwindigkeit abhängig. Eine Faustregel besagt, dass bei einer Zunahme der Anlaufgeschwindigkeit von 1,0 m/s die Sprungweite um 1,21 m verbessert wird. Nach dem Anlauf erfolgt ein explosiver Absprung. Ziel ist es, eine möglichst große Absprunggeschwindigkeit zu erreichen. Der optimale Absprungwinkel beträgt 17-24°. Nach dem Absprung ist die Flugbahn des Körperschwerpunkts vorgegeben. Die Bewegungen in der Luft gelten einer optimalen Landevorbereitung. Die Bodenberührung der Füße erfolgt vor dem Schnittpunkt des Körperschwerpunkts mit der Landefläche. Schiebt der Weitspringer Knie und Becken über die Aufsatzstelle, so sind wertvolle Zentimeter gewonnen.
Dreisprung
Das Anforderungsprofil des Dreisprungs stellt neben der Anlaufgeschwindigkeit, Schnell- und Sprungkraft besondere Ansprüche an die koordinativen Fähigkeiten. Dabei sind vor allem Rhythmusgefühl, Gleichgewichtsvermögen und eine gute Absprungkoordination von großer Bedeutung. Der Dreisprung besteht aus drei hintereinander ausgeführten Sprüngen HOP, STEP, JUMP. Auch hier ist die Anlaufgeschwindigkeit ein entscheidender Parameter, der Absprung erfolgt ebenfalls vom Balken. Wichtig beim Absprung zum HOP ist zum einen die Erzeugung einer weiten Flugphase des Körperschwerpunkts, zum anderen muss die höchste horizontale Geschwindigkeit beibehalten werden. Während der Flugphase folgt der Beinwechsel, so dass der STEP mit demselben Bein abgesprungen werden kann. Der Absprung des JUMPs erfolgt mit dem anderen Bein.Die Absprungfolge lautet also: rechts – rechts – links oder links – links – rechts. Die letzte Flugphase dient der beidbeinigen Landevorbereitung.
Hochsprung
Ziel des Hochsprungs ist es eine möglichst hoch gelagerte Latte zu überqueren. Die Hochsprungleistung ist nicht von der maximalen Geschwindigkeit, sondern von der optimalen Geschwindigkeit abhängig.Es existieren verschieden Techniken zur Lattenüberquerung (z.B. Wälzer/Schersprung/Flop). Bei allen Techniken kommt es darauf an, durch den Anlauf die optimale Sprungauslage zu gewährleisten. Durch Absenken des Körperschwerpunkts vor dem Absprung wird der Beschleunigungsweg für den Absprung verlängert. Im Leistungsbereich hat sich der Fosbury Flop durchgesetzt. Die Lattenüberquerung erfolgt bei dieser Technik rückwärtig, der Anlauf verläuft bogenförmig. Bei dieser Anlaufgestaltung neigt sich der Hochspringer ins Kurveninnere, um der Zentrifugalkraft entgegenzuwirken und senkt so den Körperschwerpunkt ab. Der vor dem Absprung ausgeführte Stemmschritt mit anschließender Streckung des Absprungbeines bewirkt eine Umlenkung der horizontalen Geschwindigkeit in Höhe.
Stabhochsprung
Der Bewegungsablauf beim Stabhochsprung erfordert hohe konditionelle und koordinativeVoraussetzungen. Bei Wettkämpfen hat der Athlet pro Höhe drei Versuche.Die effektive Einbeziehung und Ausnutzung des flexiblen Sprungstabes ist die Bedingung, um einen größtmöglichen Höhengewinn zu erzielen. Die Energie des Anlaufs und des Absprunges muss optimal auf den Stab übertragen werden. Aufgrund der elastischen Eigenschaften biegt sich der Stab. Der Absprung hat die Funktion, einen vertikalen Impuls für das Aufrichten des Stabes zu erzeugen. Die Einrollbewegung nach dem Absprung führt zu einer vertikalen Beschleunigung des Springers. In der Phase der Stabstreckung wird erfährt der Athlet eine zusätzliche vertikale Beschleunigung. Durch Umstützen und Drehen durch Zug- und Druckbewegungen am höchsten Punkt wird die Lattenüberquerung eingeleitet. Weltklasseathleten können die Griffhöhe um bis zu einem Meter überspringen.
Wurfdisziplinen
Die vier Wurfdisziplinen lassen sich in den Bereich der Schnellkraftdisziplinen einordnen. Pro Wettkampf absolvieren die Leichtathleten dieser Disziplinen sechs Würfe. Erfolgreiche Wurf- oder Stoßtechniken basieren auf einem möglichst langen Beschleunigungsweg mit dem Ziel einer größtmöglichen Abfluggeschwindigkeit der Fluggeräte zu erreichen. Unter den Schnelligkeitsfähigkeiten sind besonders die Aktionsschnelligkeit und die Beschleunigungsfähigkeit bedeutsam. Im Bereich der koordinativen Fähigkeiten treten die Differenzierungs- und Kopplungsfähigkeit, die Rhythmisierungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit in den Vordergrund.
Kugelstoßen
Der Stoßkreisdurchmesser beträgt 2,13 m. Aufgrund dieser Vorgabe zielen die Techniken beim Kugelstoßen darauf ab, einen möglichst langen Beschleunigungsweg der Kugel sicherzustellen. Die Kugel wiegt bei Männern 7,257 kg, bei Frauen 4 kg. Im Weltklassebereich haben sich zwei Techniken durchgesetzt: die Rückenstoßtechnik und die Drehstoßtechnik. Der optimale Abstoßwinkel beträgt 37° bis 41°.
Diskuswurf
Wie beim Kugelstoßen muss auch beim Diskuswurf ein möglichst langer Beschleunigungsweg des Diskus gewährleistet sein, um optimale Weiten zu erzielen. Da der 2,5m (Durchmesser) große Wurfkreis keinen großen Spielraum zum Beschleunigen lässt, hat sich in dieser Disziplin die Drehtechnik durchgesetzt. In der Ausgangsstellung zeigt der Rücken zur Wurfrichtung. Nach eineinhalbfacher Drehung erfolgt der Abwurf als explosive Dreh-Streckbewegung. Die Handfläche zeigt nach oben, der Diskus verlässt die Hand über den Zeigefinger. Die dabei erzeugte Rotation gibt dem 2kg (Männer) bzw. 1kg (Frauen) schweren Fluggerät Stabilität.
Speerwurf
Der Beschleunigungsweg beim Speerwurf ist ein geradliniger Anlauf. Während des Anlaufs wird der Speer zurückgeführt. Die optimale Wurfauslage wird durch eine Fünf-Schritt Komination eingeleitet. Der vorletzte Schritt vor dem Abwurf soll als Implusschritt ausgefüht werden und führt zur Bogenspannung in Hüfte und Schulter. Aus dieser Überstreckung wird der Speer durch aprubtes Abbremsen explosiv nach vorne herausgeschleudert. Der "männliche" Speer wiegt 800 Gramm und ist zwischen 2,70m und 2,80m lang; das weibliche Pendant ist 600 Gramm schwer und 2,20m bis 2,30m lang.
Hammerwurf
Auch bei dieser Wurfdisziplin geht es darum, beim Abwurf eine größtmögliche Geschwindigkeit auf den Hammer zu projizieren. Der 7,265 kg (Männer) bzw. 4kg (Frauen) schwere Hammer besteht aus einer Kugel, die an einem Drahtseil befestigt ist. Drei bis vier Körperrotationen in dem 7 Fuß (2,135m) großen Wurfring werden ausgeführt, bevor der Hammer im ca. 45° Winkel die Hände des Sportlers verlässt. Der Hammerwurf ist koordinativ eine der schwierigsten Disziplinen der Leichtathletik. Die schnellen Rotationen um die Körperachse mit dem instabilen Gegengewicht von über einem Meter Länge erfordern ein besonderes Maß an Kopplungs-, Orientierungsfähigkeit und perfektes Timing.
Quelle: K.H. BAUERSFELD/ G. SCHRÖTER (1998): Grundlagen der Leichtathletik. Das Standardwerk für Ausbildung und Praxis. Berlin
Text: Jutta Kühle