sportalis Basic Info
Karate (jap. der Weg der leeren Hand) ist eine Kampfkunst chinesischen Ursprungs, die über Okinawa ihren Weg nach Japan fand. Im 20. Jahrhundert fand sie weltweit Verbreitung. Der Name beschreibt den meist waffenlosen Nahkampfstil:
Karate ist eine Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Der Körper wird so trainiert, dass Arm und Beine eine mit Waffen vergleichbare Schlagkraft entwickeln können. Im Karate werden Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken trainiert. Hebel, Würfe und Feger können ebenfalls zum Einsatz kommen.
Oberstes Ziel des Karatedō ist die Entwicklung des Charakters: "Nicht der Sieg noch die Niederlage im Kampf stehen beim Karate im Vordergrund." (Leitspruch der JKA)
Name
Karatedō wurde früher meist nur als Karate bezeichnet und ist unter dieser Bezeichnung noch heute am häufigsten geführt. Der Zusatz -dō wird verwendet um den philosophischen Hintergrund der Kunst und ihre Bedeutung als Lebensweg zu unterstreichen. Damit waren die chinesischen Ursprünge bereits im Namen der Kampfkunst manifestiert. Das neue Zeichen wurde wie das alte "kara" gelesen und war auch von der Bedeutung her in sofern passend, als im Karate meist mit leeren Händen also ohne Waffen gekämpft wird.
Ursprünge
Obwohl die genauen Ursprünge heute nicht mehr genau nachzuvollziehen sind weiß man, dass Karate wohl auf den buddhistischen Mönch Daruma Taishi (Bodhidharma) aus Kanchi Puram (Süd-Indien) zurückgeht.
Er brachte seine Kampfkunstkenntnisse nach China. Dort entwickelte sich über die Jahrhunderte die Kunst des Chuan-fa (auch Wushu), aus dem das heutige Kung-Fu (bzw. japanisch Kempo) mit seinen verschiedenen Ausprägungen (Kranich-, Tiger- Schlangen-, Panter- und Drachenstil) hervorging. Die bekanntesten Vertreter dieser Kampfkunst sind sicher die Mönche des Shaolin.
Von China nach Okinawa
Karate in seiner heutigen Form entwickelte sich auf der pazifischen Kette der Ryūkyū-Inseln, dort insbesondere auf der Hauptinsel Okinawa. Die Insel liegt ca. 600 Kilometer südlich von den japanischen Hauptinseln im Südchinesischen Meer und ist heute Japans südlichste Präfektur. Bereits im 14. Jahrhundert unterhielt Okinawa, damals noch unabhängig, rege Handelskontakte zu Japan, China und Korea. Die urbanen Zentren der Insel, Naha, Shuri und Tomari waren damals ein großer Umschlagplatz für Waren und boten damit ein Forum für den regen kultureller Austausch mit dem chinesischen Festland. Dadurch gelangten erste Eindrücke chinesischer Kampftechniken nach Okinawa, wo sie zunächst als Kempo und im Laufe ihrer Weiterentwicklung als Okinawa-Te, Tode oder auch nur als Te bezeichnet wurden. Te bedeutet wörtlich soviel wie Hand, im übertragenden Sinne auch Technik bzw. Handtechnik. Der ursprüngliche Begriff für Karate, Okinawa-Te, kann daher grob als Handtechnik aus Okinawa übersetzt werden (meint aber natürlich die verschiedenen Techniken als Ganzes).
Die wirtschaftliche Bedeutung der Inseln führte dazu, dass sie ständig von Unruhen und Aufständen heimgesucht wurde. Im Jahre 1416 gelang es schließlich König Sho Shin (auch Sho Hashi) die Inseln zu einigen. Zur Erhaltung des Friedens in der aufständischen Bevölkerung verbot er daraufhin das Tragen jeglicher Waffen. Um die einzelnen Regionen zu kontrollieren verpflichtete er sämtliche Fürsten zum dauerhaften Aufenthalt an seinem Hof in Shuri, eine Kontrollmöglichkeit die später von den Tokugawa-Shogunen kopiert wurde. Durch das Waffenverbot erfreute sich die waffenlose Kampfkunst des Okinawa-Te erstmals wachsender Beliebtheit und viele ihrer Meister reisten nach China um sich dort durch das Training des chinesischen Chuan-fa fortzubilden.
1609 besetzte der japanische Satsuma-Clan die Inselkette. Shimazu verschärfte das Waffenverbot dahingehend, das sogar der Besitz jeglicher Waffen, selbst Zeremoniewaffen, unter schwere Strafe gestellt wurden. Ungefähr zwanzig Jahre dauerte es, bis sich die großen Meister des Okinawa-Te zu einem geheimen oppositionellen Bund zusammenschlossen und festlegten, dass Te nur noch im Geheimen an ausgesuchte Personen weitergegeben werden sollte.
Währenddessen entwickelte sich in der bäuerlich geprägten Bevölkerung das Kobudō, das Werkzeuge und Alltagsgegenstände mit seinen speziellen Techniken zu Waffen verwandelte. Dort gingen teilweise sämtliche spirituellen, mentalen und gesundheitlichen Aspekte, wie sie im Chuan-Fa gelehrt wurden, verloren. Auf Effizienz ausgelegt, wurden Techniken, die unnötiges Risiko bargen, wie beispielsweise Fußtritte im Kopfbereich, nicht trainiert. Kobudō und seine Waffen konnten schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht verboten werden, da sie für die Versorgung der Bevölkerung sowie der Besatzer schlicht notwendig waren. Allerdings war es sehr schwer mit diesen Waffen einem ausgebildeten und gut bewaffneten Krieger im Kampf gegenüberzutreten. Deshalb entwickelte sich in Te und Kobudō, die damals noch eng miteinander verknüpft gelehrt wurden, die Maxime möglichst nicht getroffen zu werden und gleichzeitig die wenigen Gelegenheiten, die sich boten zu nutzen, den Gegner mit einem einzigen Schlag zu töten.
Die tödliche Wirkung dieser Kampfkunst führte dazu, dass die japanischen Besatzer erneut das Verbot ausdehnten und das Lehren von Okinawa-Te ebenfalls unter drakonische Strafe stellten. Allerdings wurde es weiterhin im Geheimen unterrichtet. Damit wurde die Kenntnis des Te für lange Zeit auf kleine elitäre Schulen oder einzelne Familien beschränkt, da die Möglichkeit zum Studium der Kampfkünste auf dem chinesischen Festland nur wenigen begüterten Bürgern zur Verfügung stand.
Matsumura
Weil die Kunst des Schreibens in der Bevölkerung damals kaum verbreitet war und man aus Geheimhaltungsgründen dazu gezwungen war, wurden keinerlei schriftliche Aufzeichnungen angefertigt. Man verließ sich auf die mündliche Überlieferung und die direkte Weitergabe und begann zu diesem Zweck, die zu lehrenden Techniken in didaktischen zusammenhängenden Einheiten zu festgelegten Abläufen oder Formen zu bündeln. So entwickelten sich die Kata des Okinawa-Te und wurden zum hauptsächlichen Medium der Tradition des Karate.
Der erste noch namentlich bekannte Meister des Te war vermutlich Chatan Yara, der etliche Jahre in China lebte und dort die Kampfkunst seines Meisters erlernte. Der Legende nach unterrichtete er wohl "Tode" Sakugawa, einen Schüler von Peichin Takahara. Auf Sakugawa geht eine Variante der Kata Kushanku, benannt nach einem chinesischen Diplomaten zurück. Der bekannteste Schüler Sakugawas war "Bushi" Sokon Matsumura, der später sogar den Herrscher von Okinawa unterrichtete.
Zwanzigstes Jahrhundert
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Karate stets im Geheimen geübt und ausschließlich von Meister zu Schüler weitergegeben. Während der Meiji-Restauration wurde Okinawa im Jahre 1875 offiziell zu einer japanischen Präfektur erklärt. In dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der sich die okinawanische Bevölkerung des japanischen Lebensgewohnheiten anpasste und Japan sich nach jahrhundertlanger Isolierung wieder der Welt öffnete, begann Karate wieder stärker in die Öffentlichkeit zu drängen.
Der Kommissar für Erziehung in der Präfektur Okinawa, Ogawa Shintaro, wurde 1890 während der Musterung junger Männer für den Wehrdienst auf die besonders gute körperliche Verfassung einer Gruppe junger Männer aufmerksam. Diese gaben an, auf der Jinjo Koto Shogakko (Jinjo Koto Grundschule) im Karate unterrichtet zu werden. Daraufhin beauftragte die Lokalregierung den Meister Anko Itosu damit, einen Lehrplan zu erstellen, der unter anderem einfache und grundlegende Kata, Pinan oder Heian enthielt, aus denen er Taktik und Methodik des Kämpfens weitgehend entfernte und den gesundheitlichen Aspekt wie Haltung, Beweglichkeit, Gelenkigkeit, Atmung, Spannung und Entspannung in den Vordergrund stellte. Karate wurde dann 1902 offiziell Schulsport auf Okinawa. Dieses einschneidende Ereignis in der Entwicklung des Karate markiert den Punkt, an dem das Erlernen und Üben der Kampftechnik nicht mehr länger nur der Selbstverteidigung diente, sondern auch als eine Art Leibesertüchtigung angesehen wurde.
Nach Beginn des Jahres 1900 erfolgte von Okinawa aus eine Auswanderungswelle nach Hawaii. Dadurch kam Karate erstmals in die USA, die Hawaii 1898 annektiert hatten.
Gichin Funakoshi, ein Schüler der Meister Itosu und Asato, tat sich bei der Reform des Karate besonders hervor: Auf der Grundlage des Shorin Ryū (auch Shuri-Te nach der Ursprungsstadt) und des Shorei Ryū (Naha-Te) begann er Karate zu systematisieren. Er verstand es neben der reinen körperlichen Ertüchtigung auch als Mittel zur Charakterbildung.
Neben den genannten drei Meistern war Kanryo Higaonna ein weiterer einflussreicher Reformer. Sein Stil integrierte weiche, ausweichende Defensivtechniken und harte, direkte Kontertechniken. Seine Schüler Chojun Miyagi und Kenwa Mabuni entwickelten auf dieser Basis die eigenen Stilrichtungen Gōjū Ryū bzw. Shito Ryū die später große Verbreitung finden sollten
In den Jahren von 1906 bis 1915 bereiste Funakoshi mit einer Auswahl seiner besten Schüler ganz Okinawa und hielt öffentliche Karate-Vorführungen ab. In den darauf folgenden Jahren wurde der damalige Kronprinz und spätere Kaiser Hirohito Zeuge einer solchen Aufführung und lud Funakoshi, der bereits Präsident einer okinawanischen Kampfkunst Vereinigung war ein, bei einer nationalen Budō-Veranstaltung 1922 in Tōkyō sein Karate in einem Vortrag zu präsentieren. Dieser Vortrag erfuhr großes Interesse und Fuankoshi wurde eingeladen, seine Kunst im Kodokan praktisch vorzuführen. Die begeisterten Zuschauer, allen voran der Begründer des Jūdō, Jigoro Kano, überredeten Funakoshi am Kodokan zu bleiben und zu lehren. Zwei Jahre später, 1924 gründete Funakoshi sein erstes Dōjō.
Über die Schulen kam Karate auch bald zur sportlichen Ertüchtigung an die Universitäten, wo damals zum Zwecke der militärischen Ausbildung bereits Jūdō und Kendō gelehrt wurden. Diese Entwicklung, die okinawanischen Meister zur Verbreitung des Karate billigend in Kauf nehmen mussten, führte zur Anerkennung von Karate als "nationale Kampfkunst" und war damit endgültig japanisiert.
Nach dem Vorbild des bereits im Jūdō etablierten Systems wurde im Laufe der dreißiger Jahre dann der Kimono oder Karate-Gi sowie die hierarische Einteilung in Schüler und Meistergrade erkennbar an Gürtelfarben im Karate eingeführt. Mit der auch politisch motivierten Absicht eine stärkere Gruppenidentität und hierarchische Struktur zu etablieren.
Aufgrund seiner Bemühungen wurde daraufhin Karate an der Shoka - Universität, der Takushoku - Universität, der Waseda - Universität und an der Japanischen Medizinischen Hochschule eingeführt. Das erste offizielle Buch über Karate wurde von Gichin Funakoshi unter dem Namen Karatedō Kyohan im Jahre 1935 veröffentlicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde durch Funakoshis Beziehungen zum Ausbildungs-Ministerium, Karate als Leibeserziehung, und nicht als kriegerische Kunst eingestuft, was es ermöglichte Karate auch nach dem Zweiten Weltkrieg zur Zeit der Besatzung in Japan zu lehren.
Über Hawaii, sowie die amerikanische Besatzung Japans und insbesondere Okinawas fand Karate im Laufe der fünfziger und sechziger Jahre als Sportart zunächst in den USA und dann auch in Europa eine immer stärkere Verbreitung.
Aus der nach Funakoshi bzw. dessen schriftstellerischen Pseudonym Shoto benannten Schule Shotokan ging die erste international agierende Karate Organisation, die JKA hervor, die noch heute einer der einflussreichsten Karateverbände ist. Funakoshi und die übrigen alten Meister lehnten die Institutionalisierung und Versportlichung sowie die damit einhergehende Aufspaltung in verschiedene Stilrichtungen gänzlich ab.
1954 gründete Henry Plee in Paris das erste europäische Budō Dōjō. Ein Deutscher Jūdōka namens Jürgen Seydel kam auf einem Jūdō Lehrgang in Frankreich erstmals in Kontakt mit Karate beim Meister Murakami, den er begeistert einlud auch in Deutschland zu lehren. Aus den Teilnehmern dieser Lehrgänge entwickelte sich zunächst innerhalb der Jūdō Verbände eine Unterorganisation, die Karate lehrte und aus der schließlich im Jahre 1961 der erste Deutschen Dachverband der Karateka, der Deutsche Karate Bund hervorging.
Die größte Ausbreitung des Karate in Deutschland erfuhren die Organisationen in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren in denen der Deutsche Karateverband (DKV) die Karatetreibenden jeglicher Stilrichtung als Dachorganisation verband.
Etikette
Jedes Karate Training beginnt und endet traditionell mit einer kurzen Meditation (mokuzō). Danach wird eine rituelle Grußzeremonie durchgeführt, in der sich Schüler und Meister voreinander und vor den alten Meistern und Vorfahren (im Geiste, repräsentiert an der Stirnseite, dem Shōmen des Dōjō) verneigen. Wie in allen anderen Dō-Künsten üblich, wird im Umgang der strenge Kodex des Reishiki und das Dōjōkun beachtet.
Graduierung
In Graduierungen wird zwischen den Kyū- und den Dan-Graden unterschieden. Während letztere die Meisterstufe bezeichnen, stellen die Kyu-Grade die Stufen der Schüler dar. Jeder dieser Stufen wird eine Gürtelfarbe zugeordnet. Der 9. Kyu ist hierbei die unterste Stufe.
9. Kyo Weiß
8. Kyo Gelb
7. Kyo Orange
6. Kyo Grün
5. Kyo Blau
4. Kyo Violett / Blau
3. Kyo Braun
2. Kyo Braun
1. Kyo Braun
1. – 5. Dan Schwarz
Prüfungen
Zum Erlangen eines höheren Schüler- bzw. Meistergrades werden Prüfungen nach einem festen Programm und einer Wartezeit, je nach Kyu und Dan Graden verschieden, abgelegt. Die Programme der Prüfungen können sich allerdings von Verband zu Verband oder sogar in jedem einzelnen Dōjō unterscheiden. Das Ablegen der Prüfungen wird heute als Ansporn und Bestätigung des Erreichten, ähnlich wie in unserem Schulsystem, angesehen. Es wird auf Haltung, Aufmerksamkeit, korrekte Ausführung der Technik, Kampfgeist, Konzentration und Willen geachtet. Der Gesamteindruck entscheidet. Die höheren Meistergrade (meist ab dem 5. Dan) können nicht mehr durch Prüfungen erreicht werden, sondern werden aufgrund besonderer Leistungen und Verdienste von der jeweiligen Organisation verliehen.
Ehrenauszeichnungen
Die World Karate Federation zeichnete den Karateka Nelson Mandela mit dem zehnten Dan aus, der höchstmöglichen Graduierung im Karate: Sozusagen für das "Kleinhacken der Apartheid."
Philosophie
Karate hat einen spirituellen Kern, aus religiösen Elementen des Zen und des Taoismus. Außerdem ist es stark beeinflußt vom Bushidō (Weg des Kriegers), dem Kodex der Samurai.
Meditation
Zum besseren Verständnis des spirituellen Wesens des Karate ist auch das Studium des chinesischen Taijiquan sehr geeignet, das sowohl als ganzheitliche Meditation als auch als Kampfkunst (z.B. mit dem Schwert) betrieben werden kann.
Die Wiederholung der Bewegungen, im Kihon und Kata wird von manchen Meistern als Meditation betrachtet. Das Ki, also die Energie des Körpers, das Bewusstsein, das sich beispielsweise in Koordinations- und Reaktionsvermögen äußert, sollen durch körperlich anstrengende, konzentrierte und dynamische Bewegungen gestärkt werden. Bei der Aufwärmgymnastik werden in manchen Schulen auch Bestandteile von Yogaübungen praktiziert.
Dō
Das Prinzip des Dō findet sich in allen japanischen Kampfkünsten wieder und ist unmöglich umfassend zu beschreiben. Dō ist die japanische Lesart des chinesischen Tao, das mit dem gleichen Zeichen geschrieben wird. Es bedeutet Weg; nicht nur im wörtlichen Sinne also Straße, sondern auch mit der Übertragenen Bedeutung des Lebensweges, der Lebenseinstellung. Dahinter stehen einerseits das taoistisch-schicksalhafte Prinzip, dass das Tao, der Weg, vorgezeichnet ist und die Dinge in ihrer Richtigkeit vorbestimmt; sowie die Einstellung des Nichtanhaftens und der Nichtabhängigkeit von allen Dingen, Gegebenheiten und Bedürfnissen, die im Zen-Buddhismus gelehrt wird. Der Kodex des Bushidō geht noch weiter: Der Krieger der Bushidō verinnerlicht hat, befreit sich damit nicht nur von allen materiellen Bedürfnissen, sondern von dem Begehren um jeden Preis zu leben. Das Ende des eigenen Lebens wird damit nicht unbedingt erstrebenswert, aber auf jeden Fall eine zu akzeptierende Tatsache und der Tod birgt keinen Schrecken mehr. Diese Haltung war im alten Japan eine hoch angesehene geistige Einstellung, die sich in vielen martialischen Verhaltensweisen wie dem Seppuku manifestierte. Dies darf jedoch auf keinen Fall als Geringschätzung gegenüber dem eigenen Leben oder dem eines anderen aufgefasst werden. Im Gegenteil: Die Aufopferung des eigenen wertvollen Lebens wog vielmehr jede Schmach auf, die ein Krieger zu Lebzeiten auf sich geladen hatte. Das Seppuku, also der rituelle Selbstmord, befreit den Krieger von Schuld und Schande und stellte seine Ehre wieder her.
Das Dō - Prinzip impliziert nun viele verschiedene Konzepte und Verhaltensweisen, die nicht abschließend aufgezählt werden könnten.
Deshalb hier nur einige wenige Aspekte:
• den Weg gehen: lebenslanges Lernen und Arbeiten an sich selbst; ständige Verbesserung
• Friedfertigkeit, Friedenswille, aber auch
• Geradlinigkeit; absolute Entschlossenheit im Kampf
("Tue alles, um eine Auseinandersetzung zu vermeiden. Kommt es aber trotzdem zum Kampf, so soll Dein erster Schlag töten.")
• Respekt und damit Höflichkeit gegenüber jedem Individuum und Ding, auch dem Feind
• Weg-Gemeinschaft mit Meister und Mitschülern, Brüderlichkeit, verantwortungsvolles Handeln
• Selbstbeherrschung, universelle Aufmerksamkeit (Achtsamkeit), Konzentration.
• Offenheit, Bemühen um Verständnis, Akzeptanz
• Nicht-Streben
Olympische Spiele
Karate ist keine olympische Disziplin. Allerdings ist es in die Liste der olympischen Spiele aufgenommen worden. Viele Verbände, u. a. der DKV, haben begonnen, alte Wettkampfformen und das Punktesystem zu verändern, um so den Karatewettkampf für die Olympischen Spiele vermeintlich "populärer" zu machen. Viele der alten Meister waren allerdings dem Wettkampfgedanken beim Karate sehr wenig zugetan; und so sind auch heute noch viele der Meinung, dass eine Aufnahme ins Olypmische Kanon eine weitere Versportlichung und den Verlust vieler althergebrachter Werte des Karatedō mit sich brächte. Daher wird die Aufnahme in die Reihe der olympischen Sportarten von sehr vielen Karateka äußerst skeptisch gesehen.
Training
Das Training des Geistes, des Charakters und der inneren Einstellung sind Hauptziele im Karate. Dies wird auch durch den Leitspruch der Japan Karate Association (JKA) dargelegt:
Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern liegt in der Vervollkommnung des Charakters des Ausübenden.
Eine weitere Grundregel im Karate lautet
Karate ni sente nashi, was soviel bedeutet wie: Es gibt keinen Initialangriff im Karate.
Damit ist nicht das Training oder der Wettkampf gemeint, da ernsthafte Angriffs-Simulationen zu allen Budō-Künsten gehören. Der Satz verdeutlicht vielmehr den Kodex des Karatedō im täglichen Leben.
Das Karatetraining baut auf drei großen Säulen auf, dem Kihon, dem Kumite und der Kata:
Kihon
Kihon heißt Grundlage oder Quelle, Ursprung (des Könnens) und wird häufig auch als Grundschule des Karate bezeichnet. Es umfasst die grundlegenden Techniken, die das Fundament des Karate bilden. Die einzelnen Techniken werden immer wiederholt, entweder langsam oder schnell, kraftvoll oder leicht/locker. Der Bewegungsablauf der einzelnen Technik wird in alle Bestandteile zerlegt und es wird versucht die Ideallinie der Bewegung zu finden, wobei es immer etwas zu optimieren gibt. Der Bewegungsablauf muss optimal verinnerlicht werden - reflexartig abrufbar, da für Denken, Planen und Handeln in einem realen Kampf zu wenig Zeit ist. Einatmung, Ausatmung, maximale Anspannung des ganzen Körpers im Zielpunkt. Kraftzentrum und Schwerpunkt liegen im Hara (ca. 2 cm unter dem Bauchnabel). Eine gute Gleichgewichtsbalance ist erstrebenswert und der innere Schwerpunkt muss gefunden werden. Die Haltung soll aufrecht sein.
Kumite
Kumite bedeutet wörtlich: Verbundene Hände und meint das Üben bzw. den Kampf mit einem (selten mehreren, siehe Bunkai) Gegnern.
Es gibt verschiedene Formen des Kumite, die mit steigendem Anspruch von einer einzigen, abgesprochenen, mehrfach ausgeführten Technik bis hin zum freien Kampf in ihrer Gestaltung immer offener werden:
Bei Verteidigungstechniken werden hauptsächlich die Arme zu Blocktechniken verwendet. Würfe, Hebel, harte, weiche Blockbewegungen oder auch nur Ausweichen, meist in Kombination mit Schritt- oder Gleitbewegungen. Eine Blockbewegung kann auch als Angriffstechnik ausgeführt werden. Ein sehr gutes "Auge" vorausgesetzt, wird dazu der Angriff des Gegners im Ansatz mit einer Abwehrbewegung oder einem Gegenangriff ('deaii', gleichzeitig) gestoppt.
Beim Angriff wird versucht, die ungedeckten Bereiche bzw. durch die Deckung hindurch den Gegner zu treffen. Es soll möglichst mit absoluter Schnelligkeit und mit höchster Vorspannung, konzentriert angegriffen werden. Der Kraftpunkt liegt am Zielpunkt der Bewegung. Erhöhter Krafteinsatz während der Bewegung führt zu Schnelligkeitsverlusten. Das Prinzip der Angriffstechnik gleicht dem des Pfeiles eines Bogenschützen bei Schlag- und Stoßtechniken und dem einer Peitsche bei geschnappten Techniken.
Yakusoku-Kumite
Ein Abgesprochenes Kumite ist die erste Stufe der am Partner/Gegner angewandten Technik. Dabei folgen beide Partner einem vorher festgelegten Ablauf von Angriff- und Verteidigungstechniken, die in der Regel im Wechsel ausgeführt werden. Ziel dieser Übung ist es, die Bewegungen des Partners/Gegners einschätzen zu lernen, sowie die eigenen Grundschul-Techniken in erste Anwendung zu bringen, ein Gefühl für Distanz und Intensität zu erhalten.
Randori
Das Unruhen/Ungeordnetes abfangen ist eine freie Form des Partnertrainings, bei der es darum geht ein Gespür für den Fluss eines Kampfes, der Bewegungen und der eingesetzten Energie zu bekommen. Dabei sind keine Vorgaben bezüglich der einzusetzenden Techniken gemacht. Die Übenden sollen vielmehr das spontane Handeln aus den sich ergebenden Situationen erlernen. Das Randori sollte locker und gelassen sein und keinen Wettkampfcharakter annehmen.
(Frei-)Kampf
Der Freikampf imitiert entweder reale Selbstverteidigungssituationen oder dient dem Wettkampf bzw. dessen Vorbereitung. Im Freikampf kommen Taktiken des Sen no Sen und Go no Sen zur Anwendung.
Kennzeichnend im "traditionellen" Karate ist der beabsichtigte Verzicht auf Treffer-Wirkung am Gegner. Absolut notwendig ist die Fähigkeit, Angriffstechniken vor dem Ziel, (Körper des Gegners) mit einer "starken" Technik zu arretieren, da ohne Hand- und Kopfschutz geübt wird. Treffer-Wirkung ist ein Regelverstoß. "Schwache" Techniken führen zu keiner Wertung.
Vollkontakt-Karate Kampfsysteme, gestatten und beabsichtigen in der Wettkampfordnung die Trefferwirkung. Viele dieser Stilrichtungen verwenden dazu auch Schutzausrüstungen wie Kopf- und Gebiss-Schutz sowie einen speziellen Handschuh der die Fingerknöchel und den Handrücken polstert. Wird der Freikampf als Wettkampf durchgeführt so gibt es feste Regeln, die beispielsweise Würfe über Hüfthöhe, Tritte zum Kopf, sowie Techniken gegen den Genitalbereich oder mit offener Hand zum Hals geführte Schläge aus Sicherheitsgründen verbieten. Ohne Handschuhe sind Angriffe mit den Händen oder Fäusten zum Kopf verboten, wie im Kyokushin-Kai, oder es werden komplette Schutzausrüstung mit Helm, Weste, Tiefschutz, Unterarm- und Schienbeinschoner und ev. ein Spannschutz verwendet, wie auch im Taekwondo.
Kata
Kata bedeutet Form oder Gestalt. Eine Kata ist ein stilisierter und choreographierter Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner, der einem festgelegten Muster im Raum, Embusen genannt, folgt. Verschiedene Stilrichtungen üben im Allgemeinen verschiedene Kata, jedoch gibt es auch viele Überschneidungen, Varianten und unterschiedliche Namensgebung. Kata entwickelten sich wie bereits im Abschnitt Geschichte erwähnt zur komprimierten Weitergabe der Techniken einer Schule oder eines einzelnen Meisters ohne die Notwendigkeit schriftlicher Aufzeichnung.
Bunkai
Die Analyse, Zerlegung bezeichnet die Anwendung einer Kata, also von Einzeltechniken aus dieser oder ganzen Technikfolgen und wird im Allgemeinen mit mehreren Gegnern durchgeführt. Im Bunkai mischen sich Kumite, also freier Kampf, und Kata. Und es wird häufig der selbstverteidigungsbezogene Realfall geübt.
Andere Trainingsformen
Makiwaratraining
Ein im Boden fest verankertes Brett, aus elastischem Holz, z.B. Esche oder Hickory, mit Stoff, Leder o. ä. umwickelt, auf das man schlägt und tritt. Die Elastizität des Holzes verhindert einen harten Rückstoß in die Gelenke. Die Verletzungsgefahr, wie beispielsweise Hautabschürfungen und Gelenkversetzungen, ist am Anfang recht hoch.
Film und Medien
Die Darstellung von Karate in amerikanischen Filmproduktionen niedriger Qualität hat dem Karate seit jeher ein schlechtes Image verpasst. Obwohl die positiven Helden durchweg Karate oder eine ähnliche Kampfkunst verwenden, um die Bösen zu besiegen, bleibt doch häufig ein schaler Nachgeschmack. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen in diesen B-Filmen, die oft Namen tragen wie Karate - Warrior/Tiger/Kid/Fighter, nur zu leicht. Der Gute und die Bösen unterscheiden sich nicht in ihren Methoden, sondern nur in ihren Motiven.
Ein häufig zu beobachtendes Schema ist:
Der Held verliert Eltern/Geschwister/alten Freund/Onkel oder ähnlich durch Mord oder Entführung an den oder die Bösen, was einen ausgiebigen Rache-Feldzug rechtfertigen soll. Der Held ist entweder ein alter Hase im Kampfgeschäft oder ein junger Naseweis, der von einem weisen alten Meister unterrichtet wird, bis er die Bösen besiegen kann.
Trotz der gelegentlich angerissenen moralischen Lehren, bleibt die Charakterschule des Karate im Hintergrund. Karate wird in den Händen des disziplinierten Helden zum bloßen Werkzeug, das kämpferische Überlegenheit garantiert.
Ein Protagonist aber, dessen wesentliche Eigenschaft ist, wie viele Bretter/Ziegelsteine/Eisblöcke er zerschlagen kann, ist kaum ein geeigneter Werbeträger für die Sache, die sich Karate eigentlich auf die Fahnen geschrieben hat. Es ist fraglich, ob die von diesen Filmen angesprochene Zielgruppe genau die charakterlichen Eigenschaften mitbringt, die im Karate erwünscht sind: Disziplin, Höflichkeit, Willensstärke.
Das Bild, welches viele nicht mit den japanischen Kampfkünsten Vertraute vom Karate haben, wird von diesen Filmen geprägt, ist also ein Vorurteil. Auf der anderen Seite ist nachvollziehbar, dass ein Karateka, dem es aufgrund höherer Einsicht und Fähigkeit gelingt Konflikte schon im Vorfeld zu entschärfen, kein geeignetes Filmmotiv darstellt.
Textquelle: Wikipedia
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