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American Football ist für viele Amerikaner mehr als nur ein Sport. Zwar werden die US-Version oder Varianten davon in weiten Teilen der Welt praktiziert, doch nirgendwo findet der Sport einen ähnlichen Anklang. Die Stadien sind selbst bei Spielen von Schul- und Collegeteams regelmäßig ausverkauft, obwohl in einigen dieser Arenen mehr als 100 000 Zuschauer Platz finden. Das Spiel um die nationale Profimeisterschaft, der „Super Bowl,“ ist alljährlich das Medienereignis schlechthin. Der Hype geht mitunter gar soweit, dass die Klärwerke in der Halbzeitpause in Bedrängnis geraten, weil zu viele Leute gleichzeitig ihre Toiletten benutzen.
Auch an Deutschland zieht das weltweit größte Eintagesevent nicht spurlos vorbei. So wird es trotz später Stunde seit Jahren live im Fernsehen übertragen. Die Super Bowl Parties, die vielerorts große Anhängerschaften versammeln, gab es schon lange bevor uns Public Viewing im WM-Sommer 2006 ein Begriff wurde.
Aber auch abseits der Leinwand weiß der Sport, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem englischen Rugby entwickelte, hier zu Lande zu begeistern. Zahlreiche Vereine sind im American Football Verband Deutschland e.V. (AFVD) organisiert, wo sie sich in unterschiedlichen Ligen messen. Die GFL (German Football League) Juniors gilt als die stärkste Nachwuchsliga Europas. Darüber hinaus ist Deutschland das einzige Land auf dem Kontinent mit einer regulären Damenliga.
Außerdem bietet die amerikanische National Football League (NFL) in einer europäischen Tochterliga auch in der alten Welt großen Sport. Die profitabelste Liga der Welt unterhält in Deutschland und den Niederlanden die NFL Europa. Die hauptsächlich aus US-Profis zusammengesetzten Teams aus Amsterdam, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Köln spielen im Frühjahr um den World Bowl.
Spielfeld
Das Feld ist 120 Yards lang und 53,5 Yards breit (109,73m x 48,77m). An beiden Enden befindet sich eine 10 Yards (9,14m) lange Endzone, an deren Ende jeweils die Goalposts (Tore) stehen. Diese ähneln übergroßen Stimmgabeln, bei denen an einem mittig positionierten Pfosten eine Querlatte in 3,05 Metern Höhe angebracht ist, an deren Enden sich zwei Seitenpfosten 12,19 Meter in die Höhe erstrecken. Ihr Abstand beträgt circa 5,60 Meter.
Idee des Spiels
Beim Football dreht sich alles um den Raumgewinn. Es gilt, den eiförmigen Ball über das Feld in die Endzone zu „transportieren.“ Die elf Spieler der Mannschaft in Ballbesitz, der Offense, haben zwei Möglichkeiten, das Feld zu überwinden. Sie können den Ball tragen (Running Play) oder werfen (Passing Play). Es darf allerdings pro Spielzug nur einmal nach vorne geworfen und der Pass auch nur von bestimmten Spielern empfangen werden. Das angreifende Team muss mit vier Spielzügen (Downs) eine Distanz von zehn Yards (knapp zehn Meter) überwinden. Gelingt dies nicht, wechselt der Ballbesitz. Ein Spielzug endet, wenn der Spieler mit dem Ball zu Fall gebracht wird oder ins Aus läuft, oder ein Pass nicht gefangen wird. Das Ziel der verteidigenden Mannschaft (Defense) ist also in erster Linie das frühe Aufhalten der Angreifer, nicht der unmittelbare Ballgewinn.
Punkte erzielen
Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten zu punkten. Zwei für die Offense sowie eine für die Defense:
Trägt ein Spieler den Ball in die Endzone oder fängt ihn dort, erzielt er einen Touchdown und sein Team erhält sechs Punkte. Im Anschluss kann aus kurzer Distanz durch die Seitenpfosten geschossen werden, wofür es einen weiteren Punkt gibt. Entscheidet man sich hingegen erfolgreich, den Ball noch einmal in die Endzone zu tragen oder zu passen, erhält man zwei Punkte.
Für ein ohne vorherigen Touchdown erzieltes Tor, ein so genanntes Field Goal, gibt es drei Punkte. Diese Option wird in der Regel nur im vierten Versuch gezogen, da ein Touchdown normalerweise vorgezogen wird.
Der verteidigenden Mannschaft werden zwei Punkte gutgeschrieben, wenn sie den Ballträger in seiner eigenen Endzone zu Fall bringt (safety).
Tipps für Einsteiger
Da es beim Football aufgrund der hohen Spezialisierung auf den einzelnen Spielpositionen völlig unterschiedliche Anforderungen gibt, kann jeder eine seinen Stärken entsprechende Aufgabe finden. Also auch Kinder, die anderswo als unsportlich galten, können hier zu Leistungsträgern werden.
Die wichtigste Voraussetzung für den Anfänger ist aber: keine Angst vor Körperkontakt. Denn es gibt kaum eine Sportart, bei der es so „knallt“ wie beim American Football. Vorsichtigere Gemüter können das Spiel allerdings auch beim Flag Football, der kontaktlosen Variante, erst einmal kennen lernen.
Text: Kevin Ritter