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15.12.2010: Ein Trend, der auch die Jugend einholt

Wandern

Seit Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg unterwegs war, sind die Wanderwege wieder voller. Ob Trekking oder Wandern das Fortbewegen aus eigener Kraft wird auch bei jungen Menschen wieder groß geschrieben.

 

Der Rücken schmerzt, die Füße brennen, man schwitzt und am Himmel sieht es stark nach Regen aus. Zu allem Übel sieht das, worauf man steht, mittlerweile nicht mehr wie ein Weg aus- schon gar nicht wie der richtige. Und trotzdem: hat man den Wegweiser wieder gefunden, sich durch unbequemen Matsch gequält und aus eigener Kraft sein Ziel erreicht, kann einem niemand das Hochgefühl nehmen, das einen überkommt. Sei es nun ein Gipfel der Alpen, eine Burg, ein See oder eine Stadt, deren Gasthäuser auf Wanderlustige warten.

Während das Wandern vor nicht allzu langer Zeit besonders vom jüngeren Teil der Bevölkerung als langweilig und anstrengend verschmäht wurde, erlebt es gerade eine Renaissance.

Nicht zuletzt seit Pummelchen Hape Kerkeling sich auf den Jakobsweg gewagt hat, ist wandern wieder populärer geworden. „Es ist ein erhebendes Gefühl, vor dem Gipfelkreuz auf dem Monte Irago zu stehen und zu wissen, aus eigener Kraft dort hingelaufen zu sein“, schreibt der 43-jährige. Grundlegende Wandermotivationen sind  Selbsterfahrung und Erfolgserlebnisse. Allerdings gehört zu der Selbsterfahrung meist auch eine gute Portion Selbstüberwindung, was an Kerkelings Beschreibungen seiner körperlichen Schmerzen zu Tage kommt: „Man kann es gar nicht oft genug sagen, wie weh die Füße genau tun, wenn man den Jakobsweg läuft.“

Um schmerzenden Füßen und ähnlichen Beschwerden vorzubeugen, will jede Wanderung gut vorbereitet sein. Dazu gehört nach Joachim Latsch, Sportmediziner der Deutschen Sporthochschule Köln, neben der Planung der Route, die auf  körperliche Voraussetzungen angepasst sein sollte, eine adäquate Ausrüstung.  Diese  müsse ausreichend Essen, Trinken, Sonnen- und Regenschutz und vor allem gutes Schuhwerk enthalten.

Ist also der Rucksack gepackt, die Route gewählt und die Wanderkarte in der Hand, kann es losgehen.

Zum Beispiel in die Nordeifel, um von Eupen über das hohe Venn in das mittelalterliche Monschau zu wandern. Der Weg führt durch dichte Wälder an kleinen Bächen vorbei in eine sumpfige Moorlandschaft. Diese durchquert man hintereinander auf kleinen Stegen, die sich durch das ganze Moor ziehen. Hier kann man wunderbar die Natur erkunden und die gestresste Seele baumeln lassen.

Erholung und Abwechslung durch frische Luft mag wohl einer der Gründe sein, weswegen wandern auch bei gestressten Jungakademikern wieder im Kommen ist. „Wandern ist ein Sich-Selbst-Wahrnehmen und die Natur wahrnehmen, so dass es einen echten Erholungseffekt für Körper und Geist gibt“, so Sportmediziner Latsch. Auch die Mitgliederzahlen  des Deutschen Alpenvereins machen das Interesse von jungen Menschen am Wandern deutlich. Im Mai 2006 konnten innerhalb der Mitglieder 19 Prozent Jugendliche unter 27 Jahren verzeichnet werden.

Doch noch ist die Neigung der Jugend zum Wandern ausbaufähig. Dies beweisen Vanessa Herkrath aus Aachen (25) und die Herzogennraterin Stefanie Bechold (28) wenn sie sagen, sie seien durch einen Betriebsausflug zu ihrer Wanderung bei Eupen gezwungen worden und würden es höchstens in netter Begleitung wiederholen.

Aber immerhin ziehen sie es überhaupt in Erwägung und ein bisschen Spaß scheint es auch zu machen:  „Die Landschaft ist schön und es ist einfach mal was Anderes“, sagt Vanessa Herkrath und freut sich dabei auf das bevorstehende Abendessen.

Ob nun Wandergenuss oder Vorfreude auf das anschließende Einkehren im Vordergrund steht, ist ungewiss. Sicher aber ist, dass das Durchschnittsalter auf den Wanderwegen sinkt.

 

Text: Leonore von Papp

Text: Spoho

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