14.03.2007: Trotz Carvern und Snowboardern

Die Skilehrfilme der 80er und 90er waren aufgebaut wie schlechte Hollywoodstreifen. Es gab Gute und Böse. Die Bösen waren gefährlich und hießen Pistensau. Doch obwohl die Pistensau inzwischen auch auf Snowboards und Carvern ins Tal fährt, haben Verletzungen in den letzten Jahren abgenommen
Bild: photocase.de
Endlich, der Winter ist da. Hochmotiviert stehen die Skiläufer auf dem Hang. Ein eleganter Wedler hat eine schmale Trasse am Rand der Piste für sich beansprucht. Weiter oben markieren Carver in lang gezogenen Bögen ihr Revier. Eine Skischule mit unsicheren Teilnehmern kreuzt im Schneeflug die Piste....
Alle alpinen Wintersportler teilen dasselbe Schicksal. Sie müssen sich die präparierten Hänge mit den anderen teilen - Rücksichtnahme ist nicht nur Ehrensache, sondern für alle Wintersportler auf den Pisten verpflichtend. Im Sinne der eigenen Sicherheit und der der anderen. Die FIS Regeln (deutsche Version ab Seite 11) haben sich auf den Skipisten als Verhaltensstandard etabliert und gelten auch bei gerichtlichen Auseinandersetzungen in Folge von Kollisionsunfällen als Maßstab - was immerhin etwa vier Millionen deutsche Skisportanhänger (ARAG Unfallversicherung) betrifft. Die Zahl der deutschen Snowboardfahrer wird auf 1,5 Mio. geschätzt (http://www.edition-nymphenburg.de/ortho/heft1-05/veihelmann.pdf).
Verletzungen und Unfälle haben statistisch abgenommen
Die Regeln haben offensichtlich Wirkung. Im Auftrag der Stiftung Sicherheit im Schneesport erhebt die ARAG Versicherung jedes Jahr eine Unfallstatistik über Ursachen und Verletzungen von alpinen Skisportlern. "Jährlich verletzten sich 56.000 - 58.000 deutsche Skifahrer beim alpinen Skisport", berichtet David Schulz von der ARAG Sportversicherung. Die Unfallzahlen der letzten 30 Jahre lassen einen abnehmenden Trend erkennen. Seit 1979/1980 hat sich das Verletzungsrisiko um ca. 42% verringert.
Neue Kollionspunkte durch Carvingski?
Die Fahrweise auf dem kerzengeraden "Oldschool" Ski ohne Taille zeichnet sich überwiegend durch gedriftete (gerutschte) Schwünge aus. Für Einsteiger ist ein gleichmäßiger Fahrfluss oft schwierig. Mit der Erfindung des Carvingskis wurde der klassische alpine Skisport revolutioniert. Die taillierte Weiterentwicklung lädt zum lässigen Carven auf der Kante ein. Der Ski ist kürzer und drehfreudiger. Beim Fahren auf der Kante werden die Fliehkräfte optimal ausgenutzt, so dass keine Bremswirkung erzeugt wird. Liegt hier ein erhöhter Risikofaktor verborgen? Zweifellos benötigen richtige Carver mehr Platz auf den Pisten, da große Radien gefahren werden. Dennoch lässt sich laut der ARAG Unfallstatistik seit der Erfindung des Taillenskis keine Zunahme an Kollisionsunfällen erkennen. Die Statistik spricht in der Saison 04/05 von 1,25 Kollisionsunfällen pro 1000 Skifahrer. Hinsichtlich der Lokalisation der Verletzungen ist das Skifahrerknie bei jeder dritten Verletzung betroffen. 22% der Skiunfälle haben Schulterverletzungen zur Folge. Hüftverletzungen stehen mit 16% an dritter Stelle.
Beim Snowboarden passieren die meisten Verletzungen beim Stürzen. Durch Abfangen mit Armen und Händen sind besonders häufig die oberen Extremitäten betroffen. Laut einer Veröffentlichung von Dr. med. Andreas Veihelmann und Dr. med. Andreas Boeckh betrifft jede fünfte Snowboardverletzung die Schulterregion. Knieverletzungen stehen mit 18% auf Rang zwei, gefolgt von Unterarm- und Handgelenksverletzungen (15%) und Fingertraumen (12%). 38% aller Snowboardverletzungen sind Frakturen.
Stürze gehören zum alpinen Wintersport dazu. Die gute Nachricht ist aber, dass Wintersport kein außergewöhnlich gefährlicher Sport ist. Mit der richtigen Vorbereitung und der richtigen Anleitung gehen die meisten Stürze glimpflich aus.
"Ski heil", für die laufende Saison wünscht sportalis
Quellen:http://www.edition-nymphenburg.de/ortho/heft1-05/veihelmann.pdf http://www.ski-online.de/xfiles_a6/200607101403232.pdf

Trotz der Statistik
Text: Jutta Kühle