14.03.2007: 1. Hilfe auf der Piste

Knapp 60.000 deutsche Skisportler verletzen sich jedes Jahr. Einige 1. Hilfe Tipps, für den Fall, den sich keiner wünscht
Ein unbehagliches Gefühl überkommt den Wintersportler, wenn am Horizont der Helikopter der Bergrettung auftaucht. Das Schlagen der Rotorblätter lässt das sonst so idyllische Bergpanorama erzittern. Nach der exakten Punktlandung wird der Verletzte abtransportiert.
Erleichterung: "Zum Glück ist er nun in kompetenten Händen."
Doch wie verhalte ich mich, wenn ich selber auf der Piste Hilfe leisten muss.
Nach dem § 323c StGB besteht
"...bei einem Unfall für jeden Bergsportler gegenüber jedem die Pflicht zur Hilfeleistung, wenn dies erforderlich und den Umständen nach zumutbar ist. Zumutbar ist die Hilfe, wenn nach der Persönlichkeit, den physischen und geistigen Kräften, der Lebenserfahrung und der Vorbildung der Erfolg durch eine Hilfeleistung herbeigeführt werden kann."
Was tun wenn `s passiert...
1.) Gefahrenzone Absichern:
Noch vor der ersten Kontaktaufnahme zum Verunfallten muss die Unfallstelle abgesichert werden. Dazu werden die gekreuzten Ski oder das aufgestellte Snowboard gut sichtbar in den Schnee gesteckt. Diese Maßnahme verhindert, dass andere Wintersportler in die Unfallstelle einfahren.
2.) Wintersportgerät abschnallen
Beruhigend auf den Verletzten einreden und vorsichtig Ski oder Snowboard abschnallen. Möglichst gleichzeitig muss die Bergwacht/Bergrettung alarmiert werden. Beauftrage andere Helfer den Unfall an der nächsten Liftstation/Hütte/Restaurant zu melden. Eine Handyfunktion ist nicht in allen Bergregionen verfügbar.
Europäische Notrufnummer: 112
Alpine Notrufnummern
- Deutschland: 19222
- Österreich: 140
- Schweiz: 1414
- Italien/Südtirol: 118
3.) Gefahrenbereich einschätzen:
Droht der Verunfallte durch Steinschlag oder Abrutschen zusätzlich verletzt zu werden, muss dieser aus der Gefahrenzone geborgen (Rautengriff) werden.
4.) Kontrolle Vitalfunktionen:
Bewusstsein, Atmung und Herzkreislauf sind lebenswichtige Funktionen. Sobald eine dieser Funktionen ausfällt besteht Lebensgefahr.
a.) besteht Bewusstlosigkeit?
b.) atmet der Betroffene?
c.) schlägt das Herz?
Sofortmaßnahmen:
Bewusstlosigkeit, Herzschlag und Atmung stabil: Stabile Seitenlage, Freimachen und Freihalten der Atemwege
Bewusstlosigkeit, Atemstillstand, Herzschlag stabil: Mund zu Mund oder Mund zu Nase Beatmung
Bewusstlosigkeit, Atemstillstand, Herzstillstand: Herzdruckmassage + Beatmung
5.) Richtige Lagerung
Ist der Verletzte bei klarem Bewusstsein wird er von sich aus eine Position einnehmen, die ihm wenig Schmerzen bereitet. Hier sollte die Position durch unterlegen von Jacken Rucksäcken o. ä. stabilisiert werden. Generell sollte der Verletzte möglichst wenig bewegt werden.
- Bei Frakturen, Verrenkungen o. ä. darf kein Druck auf die Verletzung ausgeübt werden. Bandagen oder Verbände zur Stabilisation und Ruhigstellung (u. U. auch Umbinden von Jacken oder Pullover) wirken schmerzlindernd. - Bei Schockzuständen soll der Verletzte auf dem Rücken liegend gelagert werden. Beine sind im Kniegelenk abgewinkelt. Durch Unterlegen von Rucksäcken oder Jacken werden die Unterschenkel erhöht gelagert. - Bei Verletzten mit Schädeltraumen bleiben die Beine am Boden. Jacken werden als Kissen unter den Nacken geschoben.
6.) Vor Unterkühlung schützen
Da in den meisten Skigebieten die Rettungsfachkräfte in einigen Minuten am Unfallort sein können, sind die Sofortmaßnahmen gegen Unterkühlung hier erst an sechster Stelle aufgelistet. In einer Stunde kann die Temperatur eines Verunfallten Schneesportlers zwischen drei und sechs Grad abfallen. Generell tritt eine Unterkühlung ein, wenn die Körpertemperatur unter 36° fällt. Deutliches Muskelzittern, Apathie oder Euphorie sind Anzeichen einer tieferen Unterkühlung, die bis zur Bewusstlosigkeit führen kann. Zur wichtigsten Erste Hilfe Maßnahme auf der Piste zählt, einen Wärmeverlust bei dem Verletzten zu verhindern. Im besten Fall wird der Verunfallte in eine Rettungsdecke eingewickelt. Es ist darauf zu achten, dass die silberne Seite nach innen zeigt. Nur dann reflektiert die Decke die Eigenwärme des Körpers. Jacken oder Rucksäcke können zusätzlich helfen, den Verletzten vor Auskühlung zu bewahren.
7.) Helikopterrettung
Die Rettung mit einem Helikopter ist nur bei schweren Verletzungen oder lebensbedrohlichen Situationen sinnvoll. Fast immer wird die Einweisung des Rettungshubschraubers von ausgebildeten Rettungsfachleuten des Skigebiets vorgenommen. Dennoch sollten Wintersportler über Folgendes Bescheid wissen: Der Helikopter benötigt einen fünfmal fünf Meter großen, waagerechten Landeplatz. Im Umfeld von 50 Metern dürfen keine Hindernisse die Landung behindern. Kuppen eignen sich besser als Mulden. Befindet sich der Hubschrauber im Anflug winkt eine Person mit einem bunten Kleidungsstück, dann stellt sich die Person mit dem Rücken zum Wind an den Rand des Landeplatzes und verharrt in der "YES" Position. Beide Arme werden schräg nach oben ausgestreckt.
Text: Jutta Kühle