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Tanzen gegen die Krankheit

In Deutschland zählt Tanztherapie noch immer zu den nicht anerkannten Therapieverfahren

Ein heller, freundlicher Raum, auf dem beheizten Parkettboden liegen Kissen und Decken, Musik schallt aus einem Lautsprecher. Langsam kommt Bewegung in die Gruppe. Wut ist das Thema der heutigen Gruppentherapie. Die drei Frauen und zwei Männer stampfen auf Anweisung mit den Füßen, peitschen die Arme durch die Luft und schreien – erst vorsichtig, doch mit der Zeit wird das Stampfen, Schreien und Peitschen immer lauter.

„So könnte es ablaufen, aber die Stunde, und das ist ja auch das Typische für die Tanztherapie, ist immer gruppen- und patientenspezifisch angepasst. Manche Stunden laufen völlig anders ab“, erklärt die Leiterin der Gruppe, Dr. Elke Willke.

Dennoch führen die unterschiedlichen Abläufe im Optimalfall immer zum selben Ziel: Das Denken des Patienten, seine Emotionen und sein Körper sollen wieder in Einklang gebracht werden. Dabei bietet die Einbeziehung von Bewegung und Tanz in die Therapie eine erhebliche Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten. So kann der Patient über die Körpersprache Dinge zum Ausdruck bringen, die er vielleicht nie verbal hätte formulieren können. Auch Geschehnisse, an die sich der Patient nicht bewusst erinnern kann, können im Körper gespeichert sein und über die Bewegung ins Bewusstsein treten.

Eine klare Faustregel, für welche Patienten der Tanz als Therapieform besonders geeignet ist, gibt es nicht. Einfach ausprobieren lautet der Tipp der Expertin. „Wenn Patienten allerdings schon verschiedene verbale Therapien ausprobiert haben und da das Gefühl hatten, dass Ihnen etwas fehlt, ist das schon einmal eine gute Voraussetzung“, meint die Tanztherapeutin. Es reiche aber auch, wenn jemand neugierig sei oder während der Therapie nicht so viel sprechen sondern lieber etwas anderes tun wolle.

Die Wahl der richtigen Therapie trägt allerdings nur einen Teil zum Erfolg der Behandlung bei. „Man weiß inzwischen, das 50 Prozent der Wirkung gar nicht von der Therapie sondern von der Person des Therapeuten abhängen und von der Beziehung, die dieser mit dem Klienten eingeht“, erklärt Willke. Besonders im Rahmen der Tanztherapie ist in dieser Hinsicht Vorsicht geboten. Der Titel „Tanztherapeut“ ist nicht geschützt, das heißt es kann sich nahezu jeder als solcher bezeichnen. Um hohe Kriterien an die professionelle Kompetenz und die ethische Praxis eines Tanztherapeuten zu entwickeln und zu vertreten, wurde 1984 die Deutsche Gesellschaft für Tanztherapie e.V. gegründet. Der Verein hält es grundsätzlich für wichtig, dass ein Tanztherapeut eine vierjährige berufsbegleitende Ausbildung vorweisen kann. Hierauf sollte auch der Patient bei der Auswahl seines Tanztherapeuten unbedingt achten.

Darüber hinaus wird der Patient mit einem weiteren Problem konfrontiert. Nach Ansicht der Krankenkassen ist der therapeutische Nutzen der Tanztherapie bisher nicht ausreichend nachgewiesen. Für den Kranken hat dieses Urteil finanzielle Folgen. „Da die Tanztherapie nicht verordnungsfähig ist, ist somit auch eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen,“ erklärt Susanne Eschmann vom Verband der Angestellten Krankenkassen e.V.. Die Kosten für eine Tanztherapie-Stunde belaufen sich auf 40 bis 70 Euro.

Einen Preis den jeder einzelne der Tanztherapie-Gruppe von Dr. Elke Willke zur Wiederherstellung seines seelischen Gleichgewichtes gerne bezahlt. Nach dem Ausklang der Stunde mit einer Reflektion des Geschehenen und Gefühlten sind die Fünf ihrem Ziel ein Stückchen näher gekommen. Sie haben ihre Wut ausgedrückt. Zwar unter Anleitung noch, doch dies ist der erste Schritt zu einer Einheit von Körper und Seele.

 

Bei Fragen zum Thema Tanztherapie oder bei der Auswahl eines qualifizierten Tanztherapeuten hilft die Deutsche Gesellschaft für Tanztherapie e.V..

www.dgt-tanztherapie.de

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