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15.12.2010: Christian Heyde

Strampeln für Freiburg

Freiburg möchte aktivste Stadt Deutschlands werden. Dazu wird vom 11.-13. Juli das "Festival des Sports" veranstaltet. Ein Freiburger hat sich dafür etwas ganz besonderes ausgedacht: Christian Heyde - der Mission Radler fährt mit seinem Rad durch ganz Deutschland

 

 

 

Mission Radler - In acht Tagen durch Deutschland


Manch einer reist in 80 Tagen um die Welt – der gebürtige Sachse und Wahlfreiburger Christian Heyde dagegen reist in 8 Tagen durch Deutschland – mit dem Radl!

Zum Auftakt des Städtewettbewerbs „Mission Olympic“ wird der leidenschaftliche Radsportler Christian Heyde quer durch Deutschland strampeln – und dabei alle Konkurrenzstädte Freiburgs abklappern: Fürstenwalde, Herne, Erlangen und Speyer. Starten wird der Sechsundzwanzigjährige 8 Tage vor dem Finaltag des Festivals in Freiburg, also am Samstag, den 5. Juli 2008.


Wie die Idee entstanden ist?

Heyde arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft im Radlabor Freiburg, sein Kollege David Lohmüller sitzt im Projektteam der „Mission Olympic“. Eigentlich hatte Heyde Größeres vor, wollte Deutschland in zwanzig Tagen einmal umrunden. Als sein Partner absprang, wandte er sich an Lohmüller: „Hast du nicht eine Idee, was ich anstelle der Deutschlandtour machen könnte, auch irgendwas Großes, Tolles?“ Hatte Lohmüller, und daraus entstand dann die Tour „Mission Radler“. Heyde wird also in 8 Tagen (mit einem Ruhe- bzw. Puffertag) quer durch Deutschland radeln.

Fahrradtour statt Fackelzug – der olympische Gedanke ist der Gleiche. Fürstenwalde, Speyer, Herne, Erlangen und Freiburg liegen im sportlichen Wettkampf miteinander – und ziehen doch alle am gleichen Strang. So wird der Mission Radler von der Gastfreundschaft der Konkurrenzstädte profitieren und das Motto, aktiv zu sein, symbolisch von einer in die nächste Stadt tragen.

Startpunkt der Tour ist Berlin, wo er Samstagfrüh mit dem „Prolog“ beginnen wird, wie er es nennt: knappe 60 Kilometer sind es von Berlin nach Fürstenwalde, ein Katzensprung also, wie Heyde andeutet. Dort wird dann erstmal die Konkurrenz begutachtet, wichtige Leute begrüßt und übernachtet, denn am nächsten Tag kommt schon gleich „die erste beinharte Etappe von 250 Kilometern“.

Bis nach Oschersleben möchte Heyde am zweiten Tag kommen. Von dort aus geht es am nächsten Tag auf einer weiteren beinharten Strecke von 250 Kilometern bis nach Paderborn. Der vierte Tag sieht dafür lediglich 150 Kilometer Wegstrecke vor, so dass Heyde gemütlich in die Konkurrenzstadt Herne einrollen kann. Dafür gibt es am fünften Tag wieder eine Strecke von 250 Kilometern bis Fulda. Auch am sechsten Tag müssen 250 Kilometer zurückgelegt werden, um bis zur dritten Konkurrenzstadt Erlangen zu gelangen.

Von Erlangen aus geht es am siebten oder achten Tag, je nach Verfassung, bis in die vierte und letzte Konkurrenzstadt Speyer, weitere 250 Kilometer. Einer der beiden Tage dient als Ruhetag. Endspurt dann am neunten und letzten Tag: von Speyer aus müssen noch 220 Kilometer bis nach Freiburg zurückgelegt werden.

Über 1500 Kilometer sind das summa summarum, die Heyde in diesen acht Tagen zurücklegt. Das Härteste dabei sind aber nicht die langen Wege oder großen Höhenunterschiede (höchster Punkt, den er passieren wird: 700 Höhenmeter über dem normalen Null), sondern etwas rein Psychisches: „Es ist ganz schwer – vielleicht vor allem, wenn man anfängt – so lange Strecken auf dem Rad, ohne irgendwelche Begleitung durchzuführen, das ist für den Kopf schon schwer, da muss man viel beißen.“

Bange ist ihm davor aber nicht, und schließlich ist er auch nicht vollständig allein: begleitet wird er von einem freien Journalisten, der allabendlich über seine Tour berichten wird – und Gepäck und Nahrung im Fahrzeug mittransportiert. Das Rad wurde ihm gesponsert von der Radwelt Hild; für den Notfall steht auch ein zweites bereit, das per UPS losgeschickt werden kann.

Mit dem Training für die Mission Tour begonnen hat Heyde schon längst; so war er am Tag unseres Interviews bereits in Frankreich, hatte knappe 120 Kilometer hinter sich gebracht – die kürzeste Strecke in einer Staffelung, die pro Tag 20 Kilometer dazu gewinnt. Ganze 250 Kilometer wie an etlichen Tagen seiner Tour will der Mission Radler aber nicht fahren: „Für die Vorbereitung genügt es, wenn man mal knapp über 200 rauskommt, oder die 200 mal anfährt, da ändert sich auch nix mehr vom Stoffwechsel, das ist vollkommen ausreichend.“

Pünktlich zum Finaltag des Sportfestivals, am Sonntag, den 13. Juli 2008 um 15 Uhr 30 wird der Mission Radler dann in Freiburg eintreffen. Auf dem Weg, der am Rheinufer an der französischen Grenze (deutsche Seite) entlang führt, sammelt er die Radsportgruppen aus der Umgebung auf, so dass der Einzug in die Finalstadt Freiburg einem Triumphzug gleich kommt. Alle Vereine im südbadischen Raum sollen ins Boot geholt werden, auf dass sie zeigen können, wie viel Radsport tatsächlich in der Region steckt.

Und das ist eine ganze Menge, meint der passionierte Radfahrer: „Münster? Nie gehört! Für mich ist Freiburg die Radhauptstadt.“ Schon bevor er zum Studium hierher zog, begann Heyde, die Gegend per Rad zu erkunden. Direkt nach der Sport-Eingangsprüfung durchradelte er den Schwarzwald: „Da war Kandel zuerst dran, und dann ging’s weiter zum Feldberg, Schauinsland – diese Berge waren erstmal in der ersten Woche schon passé für mich …“ Langweilig wird es ihm in der Region trotzdem nicht: „Man findet immer wieder neue Stellen, wo man noch nicht war.“Auf seiner Deutschlandtour stehen ihm eine ganze Menge neuer Stellen bevor, denn gefahren ist er die Strecke noch nicht.

Sein Zeitplan:
Tag 1 (Sa):  Start in Berlin, Ankunft in Fürstenwalde. Zurückgelegte Strecke: ca. 60 km.
Tag 2 (So):  Start in Fürstenwalde, Ankunft Oschersleben. Zurückgelegte Strecke: ca. 250 km.
Tag 3 (Mo): Start in Oschersleben, Ankunft Paderborn. Zurückgelegte Strecke: ca. 250 km.
Tag 4 (Di):  Start Paderborn, Ankunft Herne. Zurückgelegte Strecke: ca. 150 km.
Tag 5 (Mi): Start Herne, Ankunft bei Fulda. 250 km.
Tag 6 (Do): Start bei Fulda, Ankunft Erlangen. 250 km.
Tag 7 (Fr):   Start in Erlangen, Ankunft Speyer. 250 km. oder Pause
Tag 8 (Sa):  Start in Erlangen, Ankunft Speyer. 250 km. oder Pause
Tag 9 (So): Start Speyer, Ankunft Freiburg. 220 km

Soweit der Plan. Wird der Mission Radler aber durchhalten? Durchkreuzen keine fiesen Hagelstürme seine Pläne, hemmt kein Platten seine Tour? Oder gehen die Radlergene mit ihm durch und er schafft die Strecke in der Hälfte der Zeit? – All diese Fragen lassen sich ganz einfach mit einem Klick beantworten: Heyde trägt einen Sender im Trikot, der von Areal Control, einer Firma, die sich auf GPS-Ortung spezialisiert hat, gesponsert wurde. Mittels dieses Senders kann man den Mission Radler virtuell auf seiner Tour begleiten - es gibt ein minutengenaues Update, bei dem man via Internet schauen kann, wo er gerade steckt. Ein kleiner Punkt auf der Deutschlandkarte markiert seine Position. Und wer wird seiner Meinung nach den Titel „aktivste Stadt Deutschlands“ holen? Natürlich Freiburg!


Christian Heyde ist 26 Jahre alt und studiert Sportwissenschaft an der Uni Freiburg. Er arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft im Radlabor Freiburg, wo er als Trainer und für die Leistungsdiagnostik verantwortlich ist. Zudem trainiert er zweimal wöchentlich Jugendgruppen vom RSV Ebringen.

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