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09.02.2011: Welche Folgen hat das Ende des staatlichen Wettmonopol für den Breitensport

Sportwetten - Privaten Wettanbietern soll der Markt geöffnet werden

Sportwetten – Welche Folgen hat das Ende des staatlichen Wettmonopol für den Breitensport. Hat sich der Gesetzgeber etwa verzockt? Der Europäische Gerichtshof hat im September entschieden, dass das in Deutschland geltende staatliche Monopol für Sportwetten und Glücksspiele nicht mit dem EU-Recht vereinbar ist. Leidtragende einer Öffnung des Marktes für private Wettanbieter wären in diesem Fall die Breitensportvereine. Mit einem großen Geldsegen durch Sportwetten können dagegen die Profisportvereine erwarten.

Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs verstößt das Verbot von Sportwetten, die nicht unter das staatliche Monopol fallen, unter anderem gegen die Niederlassungs- sowie die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU. Deshalb ist dieses Verbot ab sofort nicht mehr anwendbar. Grundsätzlich seien solche Wettmonopole zwar zulässig, um die Spielsucht zu bekämpfen, in Deutschland werde dieses Ziel aber nicht so konsequent verfolgt, dass man dies rechtfertigen könnte.

Bisher konnte man in Deutschland legale Sportwetten nur bei Oddset abschließen, einer Tochtergesellschaft des Deutschen Lotto- und Totoblocks. Jedoch werden nach einer Studie der Beratungsfirma Goldmedia 94 Prozent der in Deutschland abgegebenen Sportwetten bei Wettanbietern und Buchmachern im Internet platziert. Diese Sportwettenanbieter haben ihren Sitz im Ausland. Bei geschätzten 7,8 Milliarden Euro, die jährlich durch Sportwetten umgesetzt werden, fließen demnach rund 7,3 Milliarden Euro aus dem Land hinaus und somit am Fiskus vorbei. Auf legale Sportwetten entfallen laut Goldmedia lediglich 485 Millionen Euro, davon 185 Millionen Euro auf Oddset.

Sportwetten-Freunde schätzen an den online Wettbüros die wesentlich höheren Wettquoten. Ein weiterer Nachteil der staatlichen Sportwetten ist die kleine Wettauswahl und die Einschränkungen bei der Kombination der Sportwetten. Die meisten Wetten können nur als Kombiwette von mindestens drei Partien gespielt werden. Auch die bei vielen Sportwetten beliebten live Wetten können nur bei privaten online Wettanbietern platziert werden.
  
Da die Lottoeinnahmen 80 Prozent der Einnahmen der Landessportbünde  ausmachen, fürchtet der Sport Einbußen, wenn das Monopol der Sportwetten fällt. Berlins Lottochef Hansjörg Höltkemeier warnt: „Eine Liberalisierung des Wett- und Sportwettenmarktes käme vor allem dem Spitzensport zugute, der Breitensport würde nur Almosen erhalten“. Und Rolf Müller, Chef des Landessportbundes Hessen,  sagt: „Würde der staatliche Alleinanspruch unter anderem bei den Sportwetten fallen, dann wären wir wieder am goldenen Zügel der Politik und von den Haushaltsentscheidungen abhängig. Die Lotterieeinnahmen aus Lotto und Sportwetten sichern eine größere Autonomie des Sports.“

Ein Ende des Wettmonopols hatten zuletzt vor allem die Vertreter des Spitzensports gefordert. Laut mehreren Schätzungen entgingen dem deutschen Profi-Sport, durch die Reglementierung der Sportwetten, in der Vergangenheit etwa 300 Millionen Euro jährlich an Sponsorengeldern. Grund war unter anderem das private Wettanbieter nicht mehr auf Trikots und Banden werben durften. Daher kam die Forderung über eine Öffnung des Wettmarktes für private und online Sportwetten.

Dem Ende des Monopols für Sportwetten sehen die Sportfunktionäre entsprechend zufrieden entgegen. "Das Urteil ist ein Meilenstein. Es erlaubt den Gemeinwohlinteressen des Sports ebenso gerecht zu werden wie denen der Sportveranstalter, ohne die es keine Sportwetten gäbe", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach.

Auch Peter Reinhardt, Mitteleuropachef von Betfair, dem weltweit größten Online-Wettanbieter für Sportwetten, glaubt nicht dass der Breitensport unter diesem Urteil leiden wird: „Wenn sich Deutschland nun einem Markt für private Sportwetten öffnet, der 7,8 Milliarden Euro umsetzt, und auch der ähnlich große Onlinepokermarkt hinzukommt, wird durch steuerliche Mehreinnahmen durch diese Wettanbieter auch beim Breitensport eine Menge hängen bleiben.“

Den Großteil davon würde auf jeden Fall der Profifußball abschöpfen. Schon lange tobt zwischen Staat und Vereinen ein Streit um die Frage, ob für private Wettanbieter geworben werden darf. Werder Bremen beispielsweise musste bereits im Jahr 2006 den Schriftzug seinen Hauptsponsors, dem Wettanbieter Bwin vom Trikot entfernen. Auch durfte Real Madrid im August diesen Jahres bei einem Spiel in München nicht für seinen Hauptsponsor werben.

Bremens Geschäftführer Klaus Allofs sagt zu diesem Thema: „Es ist seit langem unsere Auffassung, dass der Markt für Sportwetten geregelt und kontrolliert geöffnet werden muss. Nur so können die vielen Gelder, die derzeit am deutschen Fiskus durch die online Wettanbieter vorbeifließen, zukünftig im Land bleiben.“
Die privaten Wettanbieter können dabei auch auf die Hilfe einiger Prominenter zählen. In der Vergangenheit setzten sich sowohl Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, wie auch Franz Beckenbauer wiederholt für die privaten Wettanbieter ein. „Der Sport und ganz besonders der Fußball leistet durch die Organisation der Spiele einen aktiven und erheblichen Beitrag für den Wettmarkt. Dieser Leistung muss Rechnung getragen werden“, sagte Zwanziger.

Dass König Fußball bei den online platzierten Fußballwetten, mit mehr als der Hälfte aller abgegeben Sportwetten, Platz eins einnimmt, spielt den Vertreten der Fußballclubs ebenfalls in die Karten. Vor allem Sportwetten, die live abgegeben werden können (Live-Wetten), boomen bei den im Internet vertretenen Wettanbieter. Wetten auf Fußballspiele sind also das Highlight unter den Wetten im Bereich Sport.
Selbst Vertreter des Breitensports wie Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, loben das Urteil: „Wir sind froh, dass genau das Sportwetten-Modell, das wir im Lauf der vergangenen Jahre erarbeitet und in zahllosen Gesprächen vertreten haben, durch den Europäischen Gerichtshof gestärkt wird.“

Hingegen dieser Aussagen hält Rolf Müller die Öffnung des Wettmarktes für einen „Schlag in das Gesicht des ehrenamtlichen Sports". Er kristisiert, dass DOSB-Präsident Bach beim Thema Sportwetten ausschließlich die Interessen des DFB und der DFL verttritt. „Dies zeige, dass er in seinem Interesse, IOC-Präsident zu werden, den ehrenamtlich geführten Sport aus den Augen verloren hat.“

Der Kieler Sportrechtsprofessor Martin Nolte glaubt an positive Auswirkungen des Urteils. Er schlägt eine Doppellösung vor: „Der Profisport verspricht sich von einer kontrollierten Öffnung des Marktes für private Wettanbieter mehr Werbeerträge, der Breitensport hofft auf mehr Einnahmen vom Fiskus. Es wäre fatal, ein Monopol für Sportwetten nur deshalb fortzuführen, weil das Lotteriemonopol geschützt werden soll.“

Er empfiehlt, dass es künftig zwei Staatsverträge für Wettanbieter geben solle: „Man wird rasch nach einer eigenständigen, selbsttragenden Begründung des Lotteriemonopols suchen und diese finden können, während gleichzeitig der Markt für Sportwetten kontrolliert so geöffnet werden kann, wie wir es vorgeschlagen haben.“

Auf eine solche Lösung kann der Sport tatsächlich nur hoffen. „So viel Geld wie der Breitensport aus dem Lotto erhält, kann er aus dem Sportwetten und Lottobereich gar nicht bekommen“, sagt Lottomann Höltkemeier.

Wer jetzt aber denkt der Staat würde sich auf einen Kompromiss in Sachen Sportwetten einlassen, hat falsch gewettet. Der eigentliche Hintergrund des Monopols sind die Milliarden-Einnahmen aus Glücksspielen, die in die Staatskasse fließen. Der Gesetzgeber hatte das Verbot mit der Bekämpfung von Spielsucht und Manipulation begründet. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften hat im September nun festgestellt, dass Deutschland dieses eigentlich für eine Beschränkung des Marktes zulässige Ziel unter anderem durch zu viel Werbung für Glücksspiele und Sportwetten unterlaufe. Das Urteil ist  jedoch nur eine Vorab-Entscheidung. Die deutschen Gerichte müssen nun die Einzelfallentscheidungen treffen.

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