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14.03.2007: Was passiert in den Bergen?

Skifahren als Höhentraining

Skifahren in der Höhe oder in den Alpen kann im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend sein. Es gibt einiges zu beachten - unter Umständen kann das Leistungsniveau nach der Rückkehr ins Flachland sogar verbessert sein

Ist es möglich die Leistungsfähigkeit eines Sportlers durch gezieltes Höhentraining zu verbessern? Diese zentrale Fragestellung der Höhenphysiologie sowie der Trainingslehre ist nicht eindeutig zu beantworten. Unbestritten und empirisch belegt ist die Tatsache, dass durch einen Aufenthalt in Höhe kardiopulmonale (Herz und Lunge) und metabolische (stoffwechselbedingte) Anpassungsmechanismen provoziert werden.

Wie wirkt sich Höhe auf unsere sportliche Leistungsfähigkeit aus?
Mit zunehmender Höhe verändern sich verschiedene physikalische Bedingungen der atmosphärischen Umgebung. Der für die sportliche Leistung relevanteste Faktor ist die verringerte Luftdichte und ein geringerer Luftdruck. Für Schnellkraftsportarten ist diese Gegebenheit günstig. Der verminderte Luftwiderstand in 2200m Höhe ist mit Rückenwind von 1,5 bis 1,7 m/s vergleichbar.
Für Ausdauersportarten, bei der die aerobe (ohne Sauerstoffschuld) Energiegewinnung entscheidend ist (ab einer kontinuierlichen Belastung von 2min), wirkt die verminderte Luftdichte leistungsmindernd.

Warum?
Luft ist ein Gasgemisch. Der Druck dieses Gasgemisches setzt sich aus verschiedenen Teildrücken zusammen- den so genannten Partialdrücken. Proportional zum abnehmenden Luftdruck in Höhe vermindert sich auch der Sauerstoffpartialdruck. Dies hat zur Folge, dass die Druckdifferenz zwischen Lungenalveolen (Lungenbläschen) und Lungenkapillaren (feinste Äderchen in der Lunge) erniedrigt ist. Die Diffusion des Sauerstoffs ins Blut ist erschwert. Einfacher ausgedrückt: Höhe bewirkt im Körper einen Sauerstoffmangel. Somit ist die aerobe Leistungsfähigkeit eingeschränkt und folglich die Ausdauerleistungsfähigkeit verschlechtert.
 
Wie passt sich der Körper an diesen Sauerstoffmangel an?
1.) Atemfrequenzsteigerung: Unmittelbar nach Erreichen von mittleren oder großen Höhen reagiert der Körper auf den geringeren Sauerstoffpartialdruck mit einer Atemfrequenzsteigerung. Durch die Ventilationssteigerung, wird der Druck in den Lungenalveolen erhöht und so die Diffusion des Sauerstoffes ins Blut erleichtert. Dennoch bleibt die maximale Sauerstoffaufnahme in mittleren Höhen um ca. 15%, in 4000m Höhe um 20-25% vermindert.
2.) Herzfrequenzsteigerung: Als weitere Akutreaktion antwortet der Organismus auf den plötzlichen Sauerstoffmangel mit einem Anstieg der Herzfrequenz, um mehr Blut pro Zeiteinheit und letztlich mehr Sauerstoff zu transportieren. Nach längerem Aufenthalt (ca. fünf bis 10 Tagen) in Höhe fällt auf, dass die Herzfrequenz wieder abnimmt.  Begründet ist diese Tatsache darin, dass eine erhöhte Herzfrequenz bei längerem Aufenthalt in Höhe einen gesteigerten Energieverbrauch zur Folge hätte. 
Dir Herzfrequenz nimmt ab, der Sauerstoffbedarf bleibt aber derselbe: Deshalb wird bei längerem Aufenthalt in Höhe ein weiterer Anpassungsmechanismus aktiviert.
3.) Anpassung des Blutes: Die roten Blutkörperchen transportieren Sauerstoff. Durch einen Sauerstoffmangel wird vermehrt das Hormon Erythropoietin (EPO) gebildet. Dieses Hormon stimuliert die Bildung neuer roter Blutkörperchen. Die Zunahme von roten Blutkörperchen, die auf eine Neuproduktion dieser basiert, setzt erst nach mehreren Wochen ein. So wird die Sauerstofftransportfähigkeit erhöht. 

Höhentraining
Die oben beschriebenen Anpassungsmechanismen, können den reduzierten Sauerstoffteildruck nicht vollständig kompensieren, somit bleibt die maximale Sauerstoffaufnahme herabgesetzt und die Ausdauerleistungsfähigkeit vermindert.
Ein längerer Aufenthalt in Höhe (ab zwei Wochen) führt zu einem Funktionszuwachs der inter - und intrazellulären Systeme - der Organismus ist akklimatisiert. Die  Ausdauerleistungsfähigkeit steigt, bleibt aber unter den Vergleichswerten auf Meereshöhe. Nach Rückkehr  ins Flachland kann das erhöhte Leistungsniveau über einen gewissen Zeitraum beibehalten werden.
 
   
Welche Höhen sind geeignet?
Im Allgemeinen wird zwischen drei Höhenstufen differenziert.
1. mittlere Höhen 1500m - 2500m
2. große Höhen 2500m - 5300m
3. extreme Höhen 5300m - 8848m

Diese Abstufung basiert auf dem Grad der funktionalen Anpassung.
Höhenstufen zwischen 0 und 1500m Höhe sind durch keine Adaptationen gekennzeichnet. Auf mittlerer Höhe passt sich der menschliche Organismus automatisch den veränderten Umweltbedingungen an. Der Aufenthalt in großen Höhen bedarf einer Akklimatisationsphase. Die Leistungsfähigkeit in Bezug auf ausdauernde sportliche Betätigung ist spürbar vermindert. Eine vollständige Akklimatisation ist aber möglich. Die höchstgelegene, dauerhaft von Menschen bewohnte Siedlung befindet sich auf 5340m Höhe (Aconquilcha, Chile). Höhenlagen oberhalb dieses Grenzbereiches werden als Todeszone bezeichnet, da ein längerer Aufenthalt zur fortschreitenden Beeinträchtigung aller physiologischen Regelkreise bis hin zum Tod führt.

Für ein Höhentraining sind vor allem mittlere Höhen zwischen 1800m und 2400m Höhe geeignet. Unterhalb von 1800m ist der Reiz des Sauerstoffmangels zu gering, oberhalb von 2400m sind die Risiken individueller Negativ- Reaktionen nicht kalkulierbar.







Text: Jutta Kühle

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