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15.12.2010: Video der Woche 37/07

Richard Sandrak

Der mittlerweile 15 Jahre alte Richard Sandrak verblüffte in seiner frühen Kindheit mit einem Körperbau, der dem eines austrainierten Bodybuilders glich. Wie kam der Junge zu solchen Muskeln? Sebastian Rösner mit einer Auseinandersetzung zum Kinder und Krafttraining

 

 

 

Der Körper glänzt dank des eingeriebenen Öls im Scheinwerferlicht. Ein Muskel nach dem anderen wird angespannt und tritt so noch deutlicher zum Vorschein. Für jeden Anatomiekenner ist es ein Genuss, kann man doch jeden Muskel genau erkennen und seinen Platz lokalisieren. Nur mit einem knappen türkisenen Slip bekleidet stellt Richard Sandrak  sich zur Schau. Besonders beeindruckend ist sein Bauch. Mit grimmiger Miene kontrahiert Richard Sandrak seinen Rectus abdominus und offenbart ein perfektes 8-Pack. Dann stellt er seine Beweglichkeit unter Beweis, reckt auf dem linken Bein stehend das rechte in die Luft und führt es hinter seinen Kopf. Danach springt Richard Sandrak eben mal aus dem Stand in die Grätsche. Dieser Körper ist das perfekte Beispiel der Möglichkeiten des Bodybuildings.

Kindheit ohne Kind zu sein

Allerdings ist dies nicht der Körper eines ausgewachsenen Mannes, sondern der eines acht Jahre alten Kindes. Zu dieser Zeit galt der in der Ukraine geborene Richard Sandrak als stärkster Mensch der Welt, gemessen an der Relation zum eigenen Körpergewicht. Schon im Alter von drei Jahren wurde er von seinen Eltern Pavel und Lena zum Kraft- und Kampfsport getrieben. Das Training übernahm Vater Pavel als Kampfsporttrainer zunächst selber. Von  Außenstehenden wurde es als hart und unnachgiebig bezeichnet, Einheiten von mehreren Stunden pro Tag waren ein Muss. Ein Leben außerhalb des Trainings gab es für Richard nicht, ebenso wenig wie gleichaltrige Freunde. Zusätzlich setzten seine Eltern ihn auf eine spezielle Diät, die seinen Körperfettanteil auf 1% sinken ließen. Mit sechs Jahren konnte Richard Sandrak bereits sein eigenes Körpergewicht stemmen. Ein Jahr später zog die Familie, die erst fünf Jahre zuvor in die USA emigriert war, nach Kalifornien, nicht zuletzt um für ihren Sohn bessere Trainingsbedingungen zu schaffen. Mit Frank Giardina fanden sie recht schnell einen angesehen Mann aus der Bodybuildingszene, der das Training seitdem übernommen hat.

 

Wegen seines außergewöhnlichen Körpers wurde Richard Sandrak schnell zur Attraktion auf diversen Bodybuilding Shows, wo er als Gast Poser auftrat, unter anderem bei "Arnold Classics", einem der bedeutsamsten Events. Ebenso wie die Zahl der Bewunderer wuchs allerdings auch die Zahl der Kritiker und Zweifler. Viele „Experten“ bezweifeln, dass die ausgeprägten Muskeln ohne Hilfe von leistungssteigernden Mitteln zu Stande gekommen sind. Können Kinder auf natürliche Weise überhaupt solche Muskelberge entwickeln? Normalerweise nicht, sagt Dr. Gary Green, Internist in der sportmedizinischen Abteilung der UCLA. Zur Bildung von Muskeln ist das männliche Sexualhormon Testosteron notwendig, ab welchem Alter es genau gebildet wird, kann man nicht genau bestimmen, allerdings in keinem Fall schon bei einem sechs Jährigen, so der Mediziner. Dass die Tatsache, dass er nie positiv getestet wurde, keine Garantie darstellt, ist im Zuge der momentanen Dopingdiskussion unlängst klar geworden. Noch dazu in einem Sport wie Bodybuilding, der immer wieder im Zusammenhang mit Steroiden gebracht wird.

 

Krafttraining für Kinder sinnvoll

Das ist allerdings nur ein Aspekt der Kritik. Eine mindestens ebenso große Diskussion dreht sich um den Kraftsport von Kindern generell, wobei der Werdegang von Richard Sandrak als Extrembeispiel gesehen werden muss. Trotzdem bilden solche Geschichten vor allem die öffentliche Meinung zu diesem Thema. Dem entgegen stehen heutzutage einige moderne Forschungsergebnisse, die Kraftsport für Kinder als wichtigen Bestandteil der Jungen betrachten. So sei es ein geeignetes Mittel zur Vorbeugung von Haltungsschwächen, denen zumeist eine schwache und wenig dehnfähige Muskulatur zu Grunde liegt. Avery Faigenbaum, Experte für Kinderkrafttraining an der Universität von Massachusetts, wies zudem in einer Studie nach, dass die Verletzungshäufigkeit  bei krafttrainierten Kindern deutlich niedriger ist. Der Kraftzuwachs geht allerdings ohne eine auffällige Zunahme des physiologischen Querschnitts, sondern kommt viel mehr durch neuromuskuläre Veränderungen und verbesserte koordinative Fähigkeiten zu Stande.

Noch mehr als beim Krafttraining für Erwachsene muss dabei auf die saubere und fehlerfreie Ausführung der Übungen geachtet werden, um Belastungsschäden zu vermeiden, da nach dem Mark-Jansen-Gesetz die Empfindlichkeit eines Gewebes proportional zur Wachstumsgeschwindigkeit steigt. Ein weiterer limitierender Faktor sind die bei Kindern und Jugendlichen noch offenen Epiphysenfugen, oder Wachstumsfugen, die in den Knochen für Längenwachstum zuständig sind. Starke mechanische Belastung dieser Strukturen kann zu fehlerhaftem Wachstum führen, Übungen mit großen Gewichten oder gar Maximalkrafttraining sollten bei Kindern daher komplett vermieden werden.

 

Ein Ratschlag, der für Richard Sandrak etwas zu spät kommen mag, der mittlerweile 15 Jahre alte Junge misst gerade einmal 147cm. Eine normale Kindheit konnte er nie genießen und man muss befürchten, dass ein normales Erwachsenen Leben auch nicht möglich sein wird.

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