25.09.2011: Deutschlands Sportportal

Gerade von Außenstehenden wird Poker oft als reines Glücksspiel bezeichnet, so wie generell alle Kartenspiele, bei denen das Ziehen der Karten natürlich vom Glück beeinflusst wird. Der Umstand, dass der Faktor Glück zweifellos im Poker enthalten ist, darf jedoch nicht zu dem Trugschluss führen, Poker sei ein reines Glücksspiel. Viel eher bedeutet Poker die Möglichkeit, das gefällige Glück oder Pech bestmöglich zu seinen eigenen Gunsten auszuspielen, und zwar Runde für Runde.
Alleine die Tatsache, dass sich an den Finaltischen der großen Turniere häufig dieselben Spieler gegenübersitzen, ist schon Hinweis genug, dass Glück alleine noch keinen Pokerspieler ausmacht. Speziell in den letzten Jahren, in denen die Variante Texas Hold´em zum weltweiten Trendsport geworden ist, sind unzählige Bücher im Ratgeberstil erschienen, die das Pokerspiel bis ins kleinste Detail wissenschaftlich betrachten. Die Pokerszene, die sich auf diesem Nährboden kontinuierlich weiterentwickelt hat, hilft dabei tatkräftig mit, das Spiel und die Theorie dahinter immer weiter zu vertiefen. Und spätestens an diesem Punkt, der intensiven Betrachtung der Aspekte im Poker, wird zugleich auch deutlich, was den Reiz des Spiels eigentlich ausmacht, nämlich die Verknüpfung mehrerer ganz verschiedener Faktoren, die allesamt beherrscht und verstanden werden wollen.
Viele gute Pokerspieler sind zugleich mathematisch begabte Personen. Dies führt direkt zu dem Rückschluss, dass analytisches Denken beim Poker eine der elementarsten Fähigkeiten ist. Dabei kommt dem Gedächtnis ebenso eine Bedeutung zu wie der Fähigkeit, Wahrscheinlichkeiten in jeder Situation abschätzen zu können. Alle Theorie kann jedoch nur dann effektiv angewandt werden, wenn die Rahmenbedingungen zur Umsetzung erfüllt sind. An dieser Stelle entsteht die Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis, die sich unter anderem auf die Fähigkeit, Menschen einzuschätzen, stützt. Das genaue, aber unauffällige Beobachten gegnerischer Spieler und die Bedeutung ihrer Körpersprache, im Fachjargon als "Lesen" bezeichnet, fällt dabei in den Randbereich der Psychologie, deren Bedeutung sich allerdings nicht nur auf das Lesen beschränkt.
Wohl kein Themengebiet wird derart oft falsch interpretiert wie die Wissenschaft der Wahrscheinlichkeit. Dies geschieht in der Regel wider besseren Wissens und betrifft nicht nur Poker. Gerade dort allerdings können die Auswirkungen zwischen vermeintlicher und tatsächlicher Bedeutung der Wahrscheinlichkeit schnell für schwere Verluste sorgen, was sich natürlich auf das Spielerlebnis auswirkt. Grundsätzlich gilt, dass auf die Wahrscheinlichkeit niemals Verlass ist - abgesehen von den Grenzwerten 0 oder 100 Prozent stellen Wahrscheinlichkeiten keine Garantien dar, teils nicht einmal Aussagen oder Tendenzen. Jede Wahrscheinlichkeit wird nämlich nur vor dem Hintergrund von unendlichen Wiederholungen aussagekräftig, nicht aber für die einzelne Runde. Die Tatsache, dass jeder erfolgreiche Pokerspieler sich trotzdem der Wahrscheinlichkeiten bedient, führt daher direkt zu einer der ältesten Weisheiten aus dem Fachgebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnung, nämlich der, dass alleine das Wissen, wann Wahrscheinlichkeitsrechnung überhaupt angebracht ist und wann nicht, bereits eine Kunst für sich ist.
Obwohl beim Onlinepoker grundsätzlich dieselben Spielregeln gelten, unterscheidet sich die virtuelle Variante des Poker von ihrem realen Gegenstück. Woher diese Abweichung rührt, ist beim Blick auf die Tugenden des Poker eigentlich ganz offensichtlich: das Lesen der Gegner ist online wesentlich schwerer, wenn nicht sogar unmöglich. Zwar sind auch beim Onlinepoker verschiedene Spielstile und Taktiken möglich, im Endeffekt kommt allerdings den reinen Wahrscheinlichkeiten eine höhere Bedeutung zu als im echten Spiel. Dies zeigt sich auch beim Ablauf des Spiels. So wird im realen Poker deutlich öfter bereits vor dem Flop erhöht, alleine mit dem Zweck, Konkurrenten frühzeitig zum Ausstieg zu zwingen, während die Spieler der Onlinecasinos sich eher auf den geschätzten Wert ihrer Karten konzentrieren. Ein Bluff ist online deswegen schwieriger und riskanter als am echten Tisch.