15.12.2010: Schwimmen Lernen

Der Winter ist eine gute Zeit um das Schwimmen zu lernen. Dabei gibt es verschiedene Philosophien. Mirijam Domsky hat sich in Dormagen bei einer Schwimmschule umgesehen, die sich mit spielerischem Lernen beschäftigt
Mit abgespreizten Armen und Beinen schwebt die fünfjährige Hanna als Seerose auf dem Wasser. Noch sinken ihre Beine immer wieder ab und auch der linke Arm bleibt noch nicht ganz flach oben. Man hat den Eindruck, als könne sie jeden Augenblick unter Wasser verschwinden. Was einer Katastrophe gleichkäme. Hanna kann nicht schwimmen. Was ihr allerdings nichts auszumachen scheint. „Ich find´ Wasser super und freu´ mich immer auf die Stunde“, prustet Hanna. Sie gehört einer Kindergruppe an, die in der Römer Therme schwimmen lernen. Allerdings nicht mit konventionellen Methoden.
Die jungen Sprösslinge erlernen in der Schwimmschule in Dormagen nicht wie in anderen Schwimmkursen üblich zuerst eine oder mehrere Schwimmtechniken. In der sogenannten „Hai School“ steht neben dem Gleiten, Tauchen, Schweben und Atmen, das sichere Bewegen im Wasser an erster Stelle. „Unser Ziel ist es, den Kindern die Schwimmfähigkeit zu vermitteln“, erklärt Ilka Heilemann, die 2006 mit ihrem Team die Schwimmschule gründete. Wie der Deutsche Schwimmverband (DSV) versteht auch die Schwimmschule darunter, dass die Kinder eine bestimmte Strecke zielgerichtet und ohne Hilfsmittel zurücklegen können. Außerdem, dass sie die eigenen Fähigkeiten realistisch und richtig einzuschätzen wissen und mit dem Wasser vertraut sind.
Durch diese Methode soll den Kindern vor allem die Angst vor dem kühlen Nass genommen werden. Mit großem Spaß erleben sie Erfolge und kommen von Stunde zu Stunde ihrem Ziel, schwimmen zu lernen näher. Mit diesem Konzept möchte die sogenannte „Hai-School“ das Schwimmen zu einem Erlebnis machen und damit nachhaltig lehren. Das schafft Selbstvertrauen in dem unbekannten Element und weckt Neugier. „Wir machen in den Kursen auch keine Seepferdchenprüfung, denn es gibt kaum etwas Enttäuschenderes als traurige Kindergesichter bei nicht bestandener Schwimmprüfung zu sehen“, berichtet die 21-Jährige. Dass das Konzept aufgeht, offenbart ein Blick auf die kleine Hanna, die mittlerweile fast keine Probleme mehr bei dem Schweben im Wasser hat.
Die Schwimmschule hat ihr eigenes Abzeichen. „Sharky“ stellt die Vorstufe des Seepferdchens dar und ist ein Ansporn für jedes Kind. Um dieses Abzeichen zu erhalten, müssen die angehenden Schwimmer ins flache Wasser springen, untertauchen, ohne in den Augen zu wischen und wie eine Seerose schweben. Dabei zeigt sich, dass den Kindern neben den Kursinhalten auch viel Sicherheit und Freude im Wasser, durch erfolgreich lizensierte Kursleiter, vermittelt wird. Stolz zeigt der fünfjährige Julian seiner Mutter die Auszeichnung. Sie freut sich riesig. „Es ist toll zu sehen, wie viel Spaß er jetzt im Wasser hat. Früher war er ein kleiner Angsthase und nun ist er eine richtige Wasserratte und kaum noch aus dem Wasser zu kriegen“, sagt Barbara Kühling.
Die neueste Statistiken der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bestätigt: Schwimmen lernen lohnt sich. Zum ersten Mal nach mehreren Jahren ist die Zahl der ertrunkenen Kinder im Vorschulalter wieder gestiegen. 29 Jungen und Mädchen waren noch keine sechs Jahre alt, erklärt die DLRG. Insgesamt sind mindestens 606 Menschen ertrunken, was einem Wachstum im Vergleich zum Vorjahr von 27 Prozent entspricht.
Die „Hai School“ hat das längst erkannt und reagierte mit sogenannten „Mini-Hai-Kursen“. Das Eltern-Kind-Schwimmen für die zwei- bis dreijährige „Wasserratten“ erachtet Heilemann als einen wichtigen Aspekt. „Man kann nicht früh genug damit anfangen, sich mit dem Wasser zu beschäftigen und das neue Medium kennen zu lernen“.
Hanna kann nun ohne Hilfsmittel im Wasser spielen.
Sie hat ihr „Sharky“ Abzeichen stolz in den Händen. Kaum zu glauben, wenn man sie in den ersten Stunden gesehen hat. Ohne Probleme schwebt sie nun im Wasser, springt ohne Angst sogar von einem Startblock und freut sich wahnsinnig. Sie möchte so schnell wie möglich den nächsten Kurs machen. Hanna will schließlich bald „richtig“ schwimmen können.
Links: www.hai-school.de (Schwimmschule in Dormagen)
Autor: Mirijam Domsky
Text: Spoho