29.05.2008: Japan | Die Kolosse aus Nippon

Die Fußballer aus Japan werden in der Fußball-Welt noch nicht als "Schwergewichte" angesehen. Für einige Sportler, die das traditionelle Sumo-Ringen betreiben, ist die Bezeichnung "Schwergewichte" jedoch sehr zutreffend...
Fünf Cheeseburger mit einer doppelten Portion Pommes, ein Kilo Rumpsteak, ein Kilogramm Lachs, ein halbes Kilo Entenfleisch und dazu ein halbes Kilo Vollkornreis.
Dieses Festmahl ist nicht etwa die Wochenration einer vierköpfigen Familie, sondern der Tagesbedarf eines Sumoringers. Traditionell gibt es für die in Japan hoch angesehenen Sportler einen Eintopf (Chanko-Nabe), der aus Fleisch, Fisch und Tofu besteht. Dazu gibt es riesige Berge Reis um den Kalorien Bedarf von ca. 8000 Kilokalorien zu decken. Diese Fressorgien sind nötig, damit die Ringer nicht abnehmen.
Nach dem Festmahl schwören die Sumos auf ein ungefähr vier Stunden langes Schläfchen, weil die Gewichtzunahme nicht durch unnötige Bewegung gestört werden darf.
Welche Bedeutung die Sumokunst im Reich der aufgehenden Sonne hat wird aus vielen Details klar:
Die Schiedsrichter (Gyojis) genießen im Gegensatz zu den deutschen Unparteiischen allerhöchsten Respekt. Getroffenen Entscheidungen gelten als unantastbar.
Durch einen kleinen Dolch den die Gyojis tragen werden sie daran erinnert, dass ihre Vorgänger nach einer Fehlentscheidung den rituellen Selbstmord (Seppuku) zu begehen hatten.
Selbstmorde gibt es heute nicht mehr, jedoch wird nach einer schlechten Leistung des Unparteiischen erwartet, dass er ein Rücktrittsangebot beim Verband einreicht.
Wert auf Details wird auch bei der Frisur der Sumos gelegt. So müssen die Tokoyama (Friseure) eine 8 jährige Ausbildung absolvieren und sich einer strengen Hierarchie unterordnen. Es kann Jahre, ja sogar Jahrzehnte dauern bis ein Tokoyama in der höchsten Liga arbeiten darf. Die besondere Kunst der Friseure besteht darin, die Haarknoten der Sportler in Form eines Gingko-Blattes zu flechten.
Obwohl die schwersten Ringer über 280 Kilogramm wiegen, werden sie in ihrer Heimat trotzdem als Sex-Symbole angesehen. Dies mit dem westlichen Schönheitsidealen von Waschbrettbäuchen und 90-60-90 Maßen in Einklang zu bringen ist wohl unmöglich.
Nun ist sportalis ein Sport- und Gesundheitsportal und will euch nicht ermutigen viel zu essen, damit ihr in Japan als Sex-Symbole durchgeht.
Die gesundheitlichen Probleme der Sumoringer sind beträchtlich und die Lebenserwartung der Kolosse liegt weit unter dem Durchschnitt.
In Europa werden die Sportler in Gewichtsklassen eingeteilt und treten in den Kategorien bis 85 kg, bis 115 kg und über 115 kg gegen einander an. Die Aktiven sind im Durchschnitt wesentlich leichter als ihre japanischen Profikollegen.
Durch die Einteilung in Gewichtsklassen ist es auch für nicht so gewichtige Menschen, die Lust haben ihre Gegner aus dem Ring zu kegeln möglich Sumo zu betreiben.
Also nicht futtern was das Zeug hält, sondern einfach unter sportalis Sportarten klicken und wissenswertes über das Sumo-Ringen und seine Varianten erfahren.
In den Basic Infos findet ihr alles zu den Regeln und Besonderheiten des japanischen Volkssports.
Die sportalis-Redaktion wünscht viel Spaß beim Ringen.
Text: Chris Bauer