15.12.2010: Testen sie ihre Fitness!

Über Generationen hinweg ertüchtigen sich verschiedene Altersstufen beim deutschen Sportabzeichen. Laufen, Werfen und Springen - für die begehrte Plakette. Leichtathletik ist nicht Ihre Stärke? Kein Problem - die Bandbreite der Sportarten hat sich erweitert. Sehen sie selbst!
Eine der Rekordhaltteilnehmerinnen mit 50 Sportabzeichen ist fast so alt, wie die Auszeichnung selber. Ingeborg Becker, zarte 89 Jahre alt, machte ihr erstes Sportabzeichen im Jahr 1933 im Rahmen ihres Sportabiturs. Ohne ihren geliebten Sport würde sie „in ein tiefes Loch fallen, vergleichbar mit dem Rentenloch“, erklärt sie.
Für sie scheint es einer Sucht gleichzukommen, sich jedes Jahr den Herausforderungen zu stellen, um am Ende das metallische Abzeichen mit dem Schriftzug des DOSB in den Händen zu halten. Doch selbst HochleistungssportlerInnen stellen sich immer wieder gerne den Anforderungen des deutschen Sportabzeichens. Sowie die Profi-Triathletin Heidi Jesberger, für die hauptsächlich das Gruppenerlebnis im Vordergrund steht. „Ich fühle mich beim Sportabzeichen als Teil des Ganzen und das ist ein gutes Gefühl“. Denn selbst körperlich sowie geistig Behinderten ist es durch Anpassung der jeweiligen Disziplinen an ihre Einschränkung möglich, an den Prüfungen teilzunehmen.
Für die Feststellung der eigenen Fitness werden motorische Grundlagen, wie Ausdauer, Schnell- und Sprungkraft in 13 verschiedenen Sportarten geprüft. Diese sind jeweils wieder aufgeteilt in 5 Gruppen. Die Ausübung der traditionellen Sportarten, wie Schwimmen, Laufen und Disziplinen der Leichtathletik, lässt sich nicht vermeiden. Wahlweise kombinieren lässt sich das ganze mit Inline Skating, Kanu, Rudern, Eislaufen oder sogar Gewichtheben. Ein Potpourri aus den verschiedensten Sportarten mit dem angenehmen Beigeschmack der kostenlosen Teilnahme.
Die Erfolgsgeschichte begann 1912 noch unter dem exotischen Namen „Auszeichnung für vielfältige Leistungen auf dem Gebiet der Leibesübungen“. Carl-Diem, unter anderem Gründer der Deutschen Sporthochschule in Köln, ließ sich in Schweden von ähnlichen Mehrkampfwettbewerben inspirieren. In den letzten Jahren wurde das deutsche Sportabzeichen durch Reformen einem breiteren Teilnehmerfeld zugänglich gemacht. Sei es durch die Integration Behinderter oder die Aufnahme neuer Sportarten in den Kreis der traditionellen und schon seit etlichen Jahren bestehenden Sportarten. Um die Anforderungen zu normieren, wurde nach
dem 2. Weltkrieg eine Unterteilung in Altersklassen eingeführt. Heute kann im Prinzip jeder teilnehmen, egal welcher Altersklasse, Nationalität oder Geschlecht er oder sie angehört. Um das Sportabzeichen für Kinder und Jugendliche interessanter zu gestalten, wurde ein Schülersportabzeichen für Kinder zwischen 8-12 Jahren, sowie ein Jugendsportabzeichen für die Altersklassen 13-17 Jahren eingeführt.
Die Erlangung des Abzeichens spiegelt die überdurchschnittliche Fitness wider und wird mit einem bronzenen Abzeichen belohnt. Der dreimalige Erwerb wird mit einem silbernen Abzeichen und der 5malige mit einem goldenen Abzeichen honoriert. Die jährlich steigenden Teilnehmerzahlen belegen das wachsende Interesse der deutschen Bevölkerung an dem wichtigsten individuellen Besitz: der eigenen Gesundheit.
2005 machten über 926.000 Leute aus ganz Deutschland erfolgreich beim deutschen Sportabzeichen mit. Rund ¼ davon waren in NRW zu Hause und somit das fleissigste/sportlichste Bundesland.
Ingeborg Becker, 7-fache Mutter, ist heute noch fast jeden Tag aktiv. Zudem hat sie sich letztes Jahr noch ein Hantelset gekauft. Wer weiss, in welchen Sportarten sie noch für Schlagzeilen sorgen wird?
Quellen: www.deutschessportabzeichen.de
Text: Julian Zipp